Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Bericht zur 12. Delegiertenversammlung am 10. April 2008

22. April 2008 - Am 11. Oktober 2007 fand in der Geschäftsstelle der PTK Bayern das dritte Treffen der Sprecher der Ausbildungsteilnehmer zu den psychotherapeutischen Berufen in Bayern statt. Bei diesem Treffen informierten die anwesenden Vorstandsmitglieder über aktuelle Themen aus der Gesundheitspolitik, Reformpläne und geplante Aktivitäten der PTK Bayern. Des Weiteren erhielten die Ausbildungsteilnehmer Gelegenheit, sich über ihre Situation in der praktischen Ausbildung auszutauschen. Das nächste Treffen ist für Frühjahr 2008 geplant.

Dr. Nikolaus Melcop, Präsident der PTK Bayern, verwies in seinem Bericht über die Arbeit des Vorstands auf die Chancen der derzeitigen Unruhe in der politischen Szene in Bayern. Die Ergebnisse der Kommunalwahlen und die bevorstehende Landtagswahl haben gesundheitspolitische Themen in den Fokus gerückt. Die beabsichtigte Zurückgewinnung von Wählerstimmen führt zwar einerseits zu oft widersprechenden Statements der politischen Akteure. Es ist jedoch gerade jetzt auch eine besondere Offenheit der bayerischen Politiker für die Anliegen der Interessenvertreter im Gesundheitssystem zu erkennen.

Die PTK Bayern positioniert sich in diesem Umfeld eindeutig für die Interessen der Psychotherapeut/innen und die Sicherung der psychotherapeutischen Versorgung. Vornehmliche Ziele sind dabei die Orientierung und Stütze für unsere Mitglieder, die Beeinflussung von politischen Entscheidungsträgern, die selbstbestimmte Mitwirkung in neu entstehenden Strukturen, namentlich z. B. Beteiligung an Formen Integrierter Versorgung oder Netzen bzw. Einflussnahme auf die Ausgestaltung, sowie ein Votum gegen Partikularinteressen von Arztgruppen, die auf Kosten anderer Gruppen gehen (Stichwort: sog. Korbmodell der Hausärzte).
Neben der stetigen Bewusstmachung dieser Themen in unseren Mitgliederbriefen, dem Psychotherapeutenjournal und der Homepage sowie auf Veranstaltungen der Kammer werden die Positionen der Kammer insbesondere auch durch Stellungnahmen gegenüber Ministerien bzw. der BPtK und durch persönliche Kontakte / Lobbyarbeit vertreten. So z. B. in Gesprächen mit Mitgliedern der Bayerischen Staatsregierung (u.a. Ministerpräsident Beckstein, Finanzminister und CSU-Vorsitzender Huber, Gesundheitsminister Bernhard), bayerischen Bundestagsabgeordneten, Vertretern von KV und Krankenkassen sowie Kontakten zu den relevanten Parteien in Bundestag und Landtag.
Foto: Dr. Nikolaus Melcop Foto: Dr. Nikolaus Melcop

Die Kammer übernimmt dabei auch konkrete Verantwortung in vielfältigen Problem- und Zukunftsfeldern. Dr. Nikolaus Melcop verwies z. B. auf die ausgebuchten Veranstaltungen der Kammer zu den Themen Palliativversorgung, Ältere Menschen oder Sucht.
 
Anlässlich der durch eine Studie der PTK Bayern erneut belegten Unterversorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen engagiert sich die PTK Bayern zudem stark für die Versorgung dieser Patientengruppe. Dr. Melcop wies dabei auf eine für den 05.07.2008 vorbereitete gemeinsame Fortbildungsveranstaltung von PTK Bayern, Lebensmut e.V. und Klinikum Großhadern zu psychotherapeutischen Hilfen für Kinder krebskranker Eltern hin, zudem auf die zusammen mit anderen Landeskammern eingereichte Bewerbung beim Bundesministerium für Gesundheit hinsichtlich der Erstellung einer evidenzbasierten Info-Plattform ADHS im Internet.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kammerarbeit liegt auf der gezielten Förderung des Psychotherapeutennachwuchses. Dabei stellte Dr. Melcop die Bemühungen der Kammer dar, dem drohenden Nachwuchsmangel im Rahmen der Umsetzung des sog. Bologna-Prozesses gezielt entgegenzuwirken. Es besteht dabei ein enger Kontakt der PTK Bayern zu den Ausbildungskandidaten, Ausbildungsinstituten und Hochschulen. In diesem Zusammenhang gratulierte Dr. Melcop auch ganz besonders Frank Mutert, der nicht nur Anfang April erneut zum Vertreter der bayerischen Psychotherapeut/innen in Ausbildung berufen wurde, sondern nun auch auf der ersten Sitzung der Bundeskonferenz der PsychotherapeutInnen in Ausbildung in Berlin zum dortigen Sprecher gewählt worden ist.

Dr. Melcop stellte zudem die Arbeit der Kammer auf den Gebieten Fortbildung, Berufsordnung, Veranstaltungen, Länderrat, Psychotherapeutenjournal, Versorgungswerk und der Anerkennung neuer Therapieverfahren (systemische Familientherapie, Gesprächspsychotherapie) vor.

Ausführlich berichtete er auch über die Vorbereitungen der Kammer anlässlich der Einführung der geplanten elektronischen Ausweise im Gesundheitssystem, namentlich der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) als funktionaler Erweiterung der bisherigen Krankenversichertenkarte und dem Heilberufeausweis (HBA), welcher Voraussetzung für den Zugriff der Leistungserbringer auf die Daten des Patienten sein wird und darüber hinaus auch Identifikationsfunktionen im allgemeinen elektronischen Rechtsverkehr erhalten soll.

Die Kammer erwarten in diesem Zusammenhang zeit- und personalintensive Aufgaben durch die Koordination der Ausgabe des Berufsausweises HBA an unsere Mitglieder und deren Beratung.

Zum Abschluss des Vorstandsberichts machte Dr. Nikolaus Melcop noch besonders auf den 3. Landespsychotherapeutentag aufmerksam, der am 11. Oktober 2008 in München unter dem Motto „Schneller, billiger, transparenter...!? - Ansprüche an Psychotherapeut/innen in der globalisierten Moderne“ stattfinden wird. Die Kammer lädt hierzu alle Mitglieder ganz herzlich ein.
Resolutionen der Delegiertenversammlung zu Gesundheitspolitik und Studienreform sowie Kommentar zu den „Perspektiven 2011“ der BPtK
Nach ausführlicher Diskussion verabschiedete die Delegiertenversammlung einstimmig zwei Resolutionen, welche vor drohenden massiven Engpässen bei der psychotherapeutischen Versorgung warnen und die Entscheidungsträger in Politik, Gesundheitssystem und Hochschulen auffordern, durch finanzielle und strukturelle Maßnahmen entgegenzuwirken.

Eine Resolution bezieht sich auf die aktuell in Bayern und bundesweit diskutierten Themen im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform. Anlass war die breite Diskussion darüber in den bayerischen Medien und mit Politikern im Vorfeld des Landtagswahlkampfes. Die PTK Bayern setzt sich dafür ein, dass Psychotherapie als unverzichtbarer Teil einer flächendeckenden Grundversorgung mit Erstzugangsrecht der Patienten gefördert wird und dies gerade auch bei der Etablierung neuer Versorgungs- und Vertragsmodelle. Im Hinblick auf die Bezahlung von Psychotherapeuten, die derzeit weit unter dem Niveau vergleichbarer Leistungserbringer liegt, hat sowohl in der Vergütungsstruktur der ambulanten Versorgung als auch bei der Eingruppierung angestellter Psychotherapeuten eine deutliche Verbesserung zu erfolgen.
Eine zweite Resolution zur Studienreform wurde anlässlich der aktuell inneruniversitär stattfindenden Festlegungen bzgl. Masterstudiengängen verabschiedet, um die Einplanung ausreichender Kapazitäten an MasterStudienplätzen mit Schwerpunkt Klinische Psychologie durch die Universitäten anzumahnen.
Foto: Die 12. Delegiertenversammlung während einer Abstimmung. Foto: Die 12. Delegiertenversammlung während einer Abstimmung.

Anlässlich der bevorstehenden Herausforderungen für unsere Berufe sind die Entwicklungen auf Bundesebene von erheblicher Bedeutung. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Professor Dr. Rainer Richter, stellte der Delegiertenversammlung als Gastredner den Stand der Perspektivenplanung der BPtK bis 2011 vor, worauf eine breite Diskussion des Perspektivenpapiers der BPtK durch die Delegierten folgte. Im Ergebnis stimmte die Delegiertenversammlung einer vom Vorstand der PTK Bayern vorgelegten und um einige Beiträge aus der Delegiertenversammlung ergänzten Stellungnahme zu diesem Papier der BPtK ohne Gegenstimme zu. Diese Stellungnahme finden Sie im geschützten Mitgliederbereich  unserer Homepage.

Jahresabschluss, Ausschüsse, Vertreter der PsychotherapeutInnen in Ausbildung
Vizepräsident Peter Lehndorfer stellte ausführlich den Jahresabschluss 2007 vor. Dieser war von Vorstand und Finanzausschuss jeweils einstimmig angenommen worden. Die auf freiwilliger Basis in Auftrag gegebene Prüfung des Abschlusses durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ergab wie in den Jahren zuvor keine Einwendungen. Nach der anschlie-ßenden Diskussion und einer Stellungnahme durch Rudolf Bittner für den Finanzausschuss wurde der Jahresabschluss 2007 durch die Delegiertenversammlung angenommen und der Vorstand entlastet.

Anschließend folgten die Berichte aus den übrigen regelmäßig tagendenden Ausschüssen der Kammer für Aus-, Fort- und Weiterbildung (Klemens Funk), für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern- und Jugendlichen (Silke von der Heyde) sowie Psychotherapie in Institutionen (Dr. Peter Dillig).

Zum Abschluss informierten die satzungsgemäßen Vertreter der Psychotherapeut/innen in Ausbildung (Frank Mutert), der Ausbildungsinstitute (Susanne Färber) und Hochschulen (Professor Dr. Georg Hörmann)

Foto: Prof. Dr. Rainer Richter Foto: Prof. Dr. Rainer Richter
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Pressemitteilung vom 11. April 2008
Psychisch kranken Menschen darf hochqualifizierte Psychotherapie nicht vorenthalten werden!
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