logo

Pilotphase des Kooperationsprojektes - Anlaufstelle für Beschwerden zur Psychotherapie“ startet am 1. August 2010

20. Juli 2010 - Die Psychotherapeutenkammern Bayern, Berlin und Baden-Württemberg haben sich Mitte Juni 2010 gemeinsam mit der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) auf ein Kooperationsprojekt geeinigt, Patient/inn/en und Ratsuchenden bei Beschwerden im psychotherapeutischen Kontext über das bestehende Beratungs- und Beschwerdeangebot der Kammern hinaus eine zusätzliche „Anlaufstelle für Beschwerden zur Psychotherapie“ anzubieten. Dadurch soll insbesondere auch jenen Patienten eine Beratung angeboten werden, die sich aus verschiedenen Gründen zunächst nicht an die Kammer wenden möchten, z.B. weil sie kein berufsaufsichtliches Verfahren gegen ihren Psychotherapeuten auslösen wollen.

Der Start für eine erste Pilotphase ist für den 1. August vereinbart, die PTK Bayern wird sich bis 31. Dezember 2010, dem Ende des Pilotprojektes, beteiligen. Die beteiligten Landespsychotherapeutenkammern haben die UPD im Vorfeld über die von ihnen angeboten Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten informiert, sie zeigten den Ablauf der jeweiligen Berufsaufsichtsverfahren auf, stellten wichtige Informationen über häufig abgefragte rechtliche Regelungen zur Verfügung und vermitteln ggf. Experten für besondere Fachfragen.
 
Die UPD hat im Zuge des Projektes an ihr „Überregionales Beratungsangebot psychische Erkrankungen“ (ÜRBA) eine zusätzliche Anlaufstelle mit Sitz in Köln für Beschwerden zur Psychotherapie eingerichtet. Zu festgelegten Zeiten können sich die Patient/inn/en und Ratsuchenden telefonisch über eine spezielle Telefonnummer und über ein entsprechendes Online-Angebot beraten lassen. In der Pilotphase wird die telefonische Beratungszeit zunächst auf zwei Stunden wöchentlich festgelegt. Finanziert wird die Anlaufstelle aus Mitteln der UPD, um die Unabhängigkeit der Beratung zu gewährleisten. Die Mitarbeiter/innen der Anlaufstelle legen während der Pilotphase der Bundesgeschäftsstelle der UPD und den kooperierenden Landespsychotherapeutenkammern eine monatliche, anonymisierte Übersicht über die Anzahl sowie Art der Beschwerden vor.
 
Mit Hilfe der Zusammenarbeit mit der UPD haben die an diesem Projekt beteiligten Landespsychotherapeutenkammern ihr eigenes Beschwerdemanagement mit einem zusätzlichen und niedrigschwelligen Beschwerde- und Beratungsangebot erweitert. Patient/inn/en und Ratsuchende sind bei einer kammerunabhängigen Beschwerde- und Beratungsmöglichkeit möglicherweise stärker motiviert, sich bei Problemen oder Konflikten im Rahmen einer Psychotherapie beraten zu lassen. Unabhängig von kammergesetzlichen Auflagen wie z. B. Berufsaufsicht und Ahndung von Berufsverstößen finden Ratsuchende in der neuen Anlaufstelle einen Berater, dem sie sich anvertrauen können. Beraten werden auch Ratsuchende, deren Psychotherapeut/inn/en nicht den an diesem Pilotprojekt beteiligten Landespsychotherapeutenkammern angehören. In diesen Fällen wird das Beschwerdemanagement dieser Kammern von den Mitarbeiter/innen/n der neuen Anlaufstelle recherchiert und für die Ratsuchenden transparent gemacht.
 
Zu den wichtigsten Zielen der „Anlaufstelle für Beschwerden zur Psychotherapie“ gehören:

 

  • Entgegennahme von Beschwerden von Patient/inn/en zu psychotherapeutischer Behandlung, ohne dass die/der Psychotherapeut/in Kenntnis davon erhält
  • Aufklärung über Patientenrechte und Berufspflichten von Psychotherapeuten
  • Aufklärung über die unterschiedlichen Beschwerdewege der jeweils zuständigen Heilberufekammer
  • Entwicklung von Handlungsperspektiven, die sich an den Bedürfnissen und Ressourcen der Ratsuchenden orientieren
 
Die UPD versteht sich als Wegweiser und Lotse durch das deutsche Gesundheitswesen. Ihr Beratungsangebot umfasst die persönliche Beratung vor Ort in 22 Beratungsstellen, ein kostenfreies Beratungstelefon, Online-Anfragen sowie die überregionale Beratung zu spezifischen Gesundheitsthemen. Die UPD wird von drei großen Organisationen partnerschaftlich getragen: Sozialverband VdK Deutschland e. V., Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. und Verbund unabhängige Patientenberatung e. V.
 
Auf der 14. Delegiertenversammlung am 2.4.2009 haben die Delegierten der PTK Bayern den Vorstand der Kammer beauftragt, Notwendigkeit und Möglichkeit einer niedrigschwelligen Beratung von Patient/inn/en, die in Psychotherapien problematische, grenzüberschreitende bzw. ethisch fragwürdige Erfahrungen beklagen, zu prüfen und entsprechende Konzepte zu sichten. Aus diesem Beschluss hat sich nach Abwägung verschiedener Modelle die nun zum 01. August 2010 beginnende Pilotphase einer Kooperation mit der UPD entwickelt.
 
 
PTK Bayern

VOILA_REP_ID=C12576B1:002BE964