Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Angestelltentag der PTK Bayern: Gemeinsames Engagement erforderlich

10. März 2011 - Am 4. März 2011 fand der zweite Angestelltentag statt, eine Informationsveranstaltung für angestellte und beamtete Psychologische Psychotherapeut/inn/en (PP) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/inn/en (KJP). Kammermitglieder aus Beratungsstellen, Krankenhäusern und weiteren Institutionen kamen nach München, um sich in den Fachvorträgen und Workshops über aktuelle Themen aus dem Angestelltenbereich zu informieren und an den Diskussionen zu beteiligen.

Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop sprach in seiner Eröffnung die große Vielfalt der Arbeitsbereiche angestellter Psychotherapeut/inn/en an. Er stellte an Beispielen dar, wie sich die Kammer sowohl für die einzelnen Bereiche als auch für die übergeordneten gemeinsamen Interessen der angestellten Mitglieder einsetzt. Er rief die Mitglieder dazu auf, sich in den Kliniken, Beratungsstellen und anderen Institutionen als angestelltes Kammermitglied  auch selbst aktiv für die eigenen Interessen und die Höhe ihres Verdienstes einzusetzen. Wörtlich sagte er: „Wir kämpfen – aber wir alle gemeinsam sind die Kammer – und es geht nicht ohne Sie vor Ort.“
 
Die Veranstaltung fand in Räumen des Bezirks Oberbayern statt. Für den Hausherrn überbrachte Gert Sonntag, Leiter der Stabsstelle Strategische Sozialplanung und Geschäftsführer des Gremiums zur Gesundheits-, Sozial- und Versorgungsplanung im Bezirk Oberbayern und selbst Kammermitglied, Grüße. Im Rahmen seiner Begrüßung nahm er u. a. Bezug auf die Förderung der diversen Projekte zur Versorgung psychisch kranker und behinderter Menschen durch den Bezirk Oberbayern und die Bemühungen um eine abgestimmte Steuerung des gesamten Bereiches. Am Ende seiner Begrüßung überreichte er Nikolaus Melcop den ersten Sozialbericht des Bezirks Oberbayern für den Planungszeitraum 2011/2012, der hier zum Downloaden bereit steht.
Gert Sonntag (rechts) übergibt Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop den Sozialbericht des Bezirks Oberbayern. (Foto: Johannes Schuster)

Heiner Vogel, Mitglied des Vorstands der PTK Bayern, hob in seinem Vortrag „Die PTK im Spannungsfeld der Interessen von niedergelassenen und angestellten Kolleg/inn/en“ hervor, dass an die Kammer nach wie vor immer wieder Anfragen zu den Themen „Gehälter“ und „tarifliche Einordnung“ gestellt würden. Er betonte, dass für die Kammer die Einkommenssituation angestellter Mitglieder ein sehr wichtiges Thema sei, für das sie sich auf politischer Ebene einsetze. In konkreten Tarifauseinandersetzungen dürfe sie jedoch aus rechtlichen Gründen nicht direkt aktiv werden. Deshalb pflege sie entsprechend Kontakte zu den Gewerkschaften. Er stellte dar, in welchen Bereichen Psychotherapeut/inn/en arbeiten und wie die Kammer ihre Ressourcen in dieser Beziehung aufteilt. Unterschiede ergeben sich vor allem in der klaren Definition der Probleme, der Zuständigkeitsebene (Bund, Land, andere) sowie in der Art der Widerstände bezüglich der Anspruchsgruppen, der Gesetze und Traditionen. Heiner Vogel ging in seinem Vortrag auch auf die Aufgaben und aktuellen Themen der Ausschüsse Psychotherapie in Institutionen der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der PTK Bayern ein. Kernthemen seien hierbei u. a. das Krankenhausfinanzierungsreformgesetz, in dem eine pauschalierte Vergütung für psychotherapeutisch zu behandelnde Patienten festgeschrieben werden soll, die Revision der OPS-Systematik (Operationen- und Prozedurenschlüssel) sowie die Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) und die Bedarfsplanung. Abschließend richtete er an die Anwesenden die Bitte, die Kammer ggf. über Problemlagen aus ihren jeweiligen Arbeitsbereichen zu informieren.

Vorstandsmitglied Heiner Vogel. (Foto: Johannes Schuster)
Dominik Schirmer, Landesbezirksfachbereichsleiter bei ver.di, München: 'Sie müssen sich artikulieren. Sie müssen uns sagen, wo Sie unzufrieden sind.' (Foto: Johannes Schuster)

Über neue Entwicklungen bei Tariffragen und Eingruppierung referierte Dominik Schirmer, Landesbezirksfachbereichsleiter bei ver.di, München. Er betonte die dringende Notwendigkeit, dass sich Psychotherapeut/inn/en selbst in Gewerkschaften und deren Fachkommissionen beteiligten. Die Tarifpolitik im Gesundheits- und Sozialwesen sei in erster Linie von Kostendruck, Outsourcing von Servicebereichen, Ausgliederungen und Neugründungen von Tochtergesellschaften, der Privatisierung ganzer Krankenhäuser und psychiatrischer Einrichtungen sowie der Erosion des Flächentarifvertrages beeinflusst. Die Eingruppierung von PP und KJP im öffentlichen Dienst erfolge derzeit weiterhin oft noch nach dem „alten“ Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT). Die Ausbildung zum PP und KJP nach dem PsychThG werde bislang in den neuen Tarifverträgen (TVÖD) noch nicht berücksichtigt. Die ver.di-Fachkommission PP/KJP fordere eine Vergütung gemäß Qualifikation und ausgeübter Tätigkeit und nach Erlangung der Approbation eine gleiche Vergütung für eine gleichwertige Tätigkeit. Ziel sei die facharztäquivalente Vergütung. Die schlechte oder nicht existente Bezahlung der Psychotherapeut/inn/en in Ausbildung müsse insbesondere mit Hilfe einer Reform des PsychThG behoben werden. Abhilfe könne hierbei auch der Musterausbildungsvertrag von ver.di schaffen, den Sie mit der entsprechenden Broschüre in der unten stehenden Liste als pdf-Datei downloaden können.

 

„In Institutionen in Führung gehen! Wie Psychotherapeuten Leitungsfunktionen einnehmen“ war der Titel des Fachvortrags von Diplom-Psychologin Ulrike Hess, Systemische Beratung und Coaching, Erlangen. Die Referentin gab konkrete Hinweise, wie man sich über die eigene Motivation in Bezug auf die Übernahme von Führungsaufgaben klarer werden könnte und welche Schritte in dieser Richtung erforderlich sein können. Dazu zählen z. B., selbst die Initiative zu ergreifen, Führen mit Projektgruppen üben, Netzwerke knüpfen, die Bedarfssituation erkennen, Begeisterung zeigen und neue Ideen und Konzepte einbringen. Vor der Entscheidung, Führungskraft werden zu wollen, sei jedoch Klarheit über das Vorhandensein der erforderlichen sozialen Kompetenz (Umgehen mit anderen; Kommunikation und Kontaktverhalten), der kognitiven Kompetenz (Lösungsfindung und Problemanalyse) sowie der Handlungskompetenz (Koordination und Steuerung; Selbstständigkeit und Entscheidungsverhalten; Motivation und Engagement) wesentlich.

Die Teilnehmer konnten am Nachmittag zwischen vier parallel stattfindenden Workshops wählen, in denen spezielle Themen im Dialog vertieft erörtert und diskutiert wurden. Stefan Postpischil, Mitglied im Ausschuss für Psychotherapie in Institutionen der PTK Bayern und tätig in der JVA Stadelheim, München, leitete den Workshop zum Thema „Beziehungsanalytische Supervision als Möglichkeit der Selbstfürsorge“. Kernpunkt des Workshops war die Frage, inwieweit die Selbstfürsorge im supervisorischen Bereich förderbar sei. Auf die Beziehungsanalyse bezogen wurde das theoretische Konzept der Psychoanalytikerin Thea Bauriedl diskutiert. Hierbei wird die Patient-Therapeut-Beziehung weitgehend als symmetrisch angesehen, es besteht eine weitgehend unbewusste Verflechtung von Übertragung und Gegenübertragung. Bauriedls zentraler Beitrag zu den Wirkmechanismen dieser Therapieform lautet: „Die Veränderung beginnt im Therapeuten.“ 

Gertrud Wölke, Fachdienstleitung der Caritas Kinder-, Jugend- und Familienhilfe BGL, Saaldorf, informierte über „Supervision, Teamsupervision und Intervision für die therapeutische Arbeit in Institutionen.“ In diesem Workshop wurden die Kernfragen „Was habe ich von Supervision? Was haben ein Team und eine Institution davon? Wie kann ich meinen Arbeitgeber überzeugen, dass Supervision wichtig ist?“ erörtert. Es zeigte sich, dass Supervision vor allem nützlich sein kann, um nicht nur eine psychische Entlastung zu erreichen, sondern auch Ressourcen zu aktivieren, Handlungskompetenzen zu erweitern und die Kooperations- und Konfliktfähigkeit zu stärken.
 
In Anlehnung an ihren Fachvortrag zeigte Ulrike Hess in ihrem Workshop explizit die Strategien auf, wie eigene Interessen erfolgreich durchgesetzt werden können. Hierzu wurde eine Gruppenübung durchgeführt, in der es „Spieler“ und „Beobachter“ gab. Es wurde klar, dass insbesondere die Art der Argumentation in kurzen Sätzen, die Nennung klarer Ziele, die Körpersprache, Beharrlichkeit in der Forderung sowie eine ehrliche Reflexion die besten Strategien sind, um eigene Interessen durchzusetzen.
 
Dominik Schirmer und Heiner Vogel vertieften in ihrem Workshop das Thema „Kammer, Angestellte und Tariffragen“. Schwerpunkte in der Diskussion waren die Gleichstellung mit Ärzten, die tarifliche Berücksichtigung bei Leitungsaufgaben, Vertragsgestaltung in sozialen und Erziehungseinrichtungen sowie Haustarifverträge. Dominik Schirmer betonte, dass eine tarifrechtliche Gleichstellung mit Fachärzten im TVöD derzeit rechtlich nicht möglich sei. Eine Gleichstellung in der Vergütung sei momentan nur über Prämienzahlungen oder persönliche Zulagen möglich. Schirmers Vorschlag, dass die Kammer für gemeinsame Gespräche zwischen den beiden Tarifpartnern ver.di und dem Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern (KAV) politisch den Boden bereitet, wurde von Nikolaus Melcop und Heiner Vogel begrüßt.
 
Nikolaus Melcop und Heiner Vogel hoben im Schlussplenum hervor, dass sich die Kammer im Rahmen der vielfältigen Themen auch weiterhin sowohl auf bestimmte Angestelltengruppen konzentrieren als auch die gemeinsamen Interessen im Auge behalten müsse. Die klare Botschaft am Schluss lautete: „Wenn Sie Themen und Anliegen haben, bitte am besten alles notieren und dem Vorstand mitteilen. Tragen Sie Ihre Anliegen auch in Ihren Kollegenkreis und sprechen Sie dort darüber.“  

Die Vorträge der Referenten und Experten der Workshops haben wir für Sie zum Downloaden vorbereitet.

Der zweite Angestelltentag fand erneut im Bezirk Oberbayern in München statt. (Foto: Johannes Schuster)
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