Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Bericht zur 37. Delegiertenversammlung der PTK Bayern

Die 37. Delegiertenversammlung fand am 26. November 2020 aufgrund der Corona-Pandemie als Videokonferenz statt. Die Delegierten diskutierten den aktuellen Stand der Entwicklung der Musterweiterbildungsordnung, beschlossen eine Änderung der Satzung und der Geschäftsordnung, eine Änderung der Weiterbildungsordnung und die Nutzung einer gendersensiblen Schreibweise in internen und externen Schriftsätzen und Veröffentlichungen der PTK Bayern.

Videokonferz der 37. Delegiertenversammlung Vorstandsmitglieder und Versammlungsleitung informierten die Delegiertenversammlung dieses Jahr per Videokonferenz. V.l.n.r.: 1. Reihe: Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop, Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel, Vizepräsident Peter Lehndorfer. 2. Reihe: Vorstandsmitglieder Prof. Monika Sommer, Prof. Heiner Vogel und Dr. Anke Pielsticker. 3. Reihe: Vorstandsmitglied Birgit Gorgas und Versammlungsleiterin Agnes Mehl.

Die 37. Delegiertenversammlung war eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Da die diesjährige DV aufgrund der Corona-Pandemie als Videokonferenz abgehalten wurde, waren Organisation und Durchführung ungewohnt anders: Die Versammlungsleiterin Agnes Mehl sprach in ihren Computer statt zu den ihr gegenübersitzenden Delegierten, Reaktionen der Delegierten kamen als Videobilder an, Beschlüsse wurden mittels eines Online-Abstimmungsprogramms gefasst, Vorstandsmitglieder referierten online und die Geschäftsstelle war im Hintergrund intensiv mit der organisatorischen und technischen Durchführung beschäftigt. Trotz des ungewohnten Formats konnten wichtige Inhalte umfassend diskutiert und die erforderlichen Beschlüsse gefasst werden.

 

Bericht des Vorstands

Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop legte im Bericht des Vorstands den Fokus auf das aktuell beherrschende Thema: die Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf die Psychotherapie. Er erläuterte den engagierten Einsatz der bayerischen Psychotherapeut*innen, die notwendigen Änderungen in der Durchführung der Berufspraxis, freiwillige zusätzliche Angebote und informierte über die umfangreichen Aktivitäten der PTK Bayern und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zur Unterstützung der Mitglieder, zu Beiträgen in den Medien und zum Einsatz für besonders betroffene Zielgruppen, wie z.B. Pflegepersonal.

Dr. Melcop erinnerte aber auch an weitere Themen, die während der Coronakrise nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Er wies dabei auf den Klima- und Umweltschutz hin. Psychotherapeut*innen sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Gesundheitsgefahren benennen, mit psychotherapeutischem Sachverstand Präventionsmaßnahmen zur Minderung bzw. Verhinderung der Gesundheitsgefahren unterstützen und psychotherapeutische Behandlung von Patient*innen mit klima-/umweltbedingten psychischen Gesundheitsschäden anbieten. In diesem Zusammenhang berichtete er auch über die Nachhaltigkeitsstrategie der PTK Bayern und die bereits umgesetzten Maßnahmen, z.B. in der Kammergeschäftsstelle sowie die Länderrats-AG auf Bundesebene zu diesem Thema.

Ein weiteres zentrales Thema stellt die Digitalisierung im Gesundheitswesen dar. Er betonte, dass der Goldstandard bei der Behandlung von Menschen mit psychischen Störungen Psychotherapie im direkten persönlichen Kontakt sei. Er betonte, dass Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGas) zwar in gewissen Fällen im Prinzip eine gute Ergänzung zur psychotherapeutischen Behandlung darstellen könnten, aber in jedem Fall nur von Psychotherapeut*innen oder Ärzt*innen verordnet werden dürften und immer genau betrachtet werden müsse, ob sie fachlich geeignet seien, welche unerwünschten Wirkungen eintreten könnten und inwiefern die Anwendungen wissenschaftlich belegte Wirkungen aufweisen. Die vorgesehene Verordnung von DiGas durch Krankenkassen-Mitarbeiter*innen lehnt die PTK Bayern ab.

Dr. Melcop berichtete, dass beim Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) die Empfehlung für die Dokumentation psychotherapeutischer Behandlungen beschlossen wurde, die als Unterstützung der Psychotherapeut*innen bei der Erfüllung der Dokumentationspflichten dienen sollen. Außerdem ging er kritisch auf die geplante gesetzliche datengestützte Qualitätssicherung für die ambulante Psychotherapie ein. Qualitätssichernde Maßnahmen müssten in der Praxis als hilfreich erlebt werden und Befragungen von Patient*innen dürften keinesfalls die Behandlung negativ beeinflussen.

Vorstandsmitglied Prof. Monika Sommer ergänzte den Vorstandsbericht um Erläuterungen zur Personalrichtlinie für Psychiatrien und Psychosomatiken (PPP-RL), die Anfang des Jahres beschlossen wurde und die dadurch für Psychotherapeut*innen entstandenen Änderungen. Außerdem informierte sie über das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und die Mindestvorgaben für Psychotherapeut*innen. Prof. Monika Sommer berichtete auch über die Aktionen und Veranstaltungen zur Förderung der Zusammenarbeit von Psychotherapie und Selbsthilfe, die die PTK Bayern mitveranstaltete.

Vorstandsmitglied Prof. Heiner Vogel informierte über eine Reihe von Veranstaltungen und Terminen, z.B. das diesjährige Suchtforum zum Thema Alkoholkonsum, eine Arbeitsgruppe mit dem Justizministerium zur ambulanten Psychotherapie für Menschen, die straffällig geworden sind, sowie Online-Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit Psychotherapeut*innen in Institutionen.

Vorstandsmitglied Birgit Gorgas erläuterte die Psychiatrieberichterstattung, die im Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG) beschlossen wurde. Sie unterstützt den ehrenamtlichen Beirat, der die Erstellung der Psychiatrieberichterstattung flankiert. Außerdem berichtete sie über Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, die auch Menschen mit seelischer Behinderung einschließt. Die PTK Bayern steht im Austausch mit Mitgliedern mit körperlichen oder Sinnesbeeinträchtigungen, um zu erfahren, welche Unterstützung sie von Seiten der Kammer wünschen und benötigen.

 

Weitere Berichte

Die Sprecher*innen der Ausschüsse und Kommissionen der PTK Bayern informierten über ihre Arbeit:

  • Der Ausschuss für Einsprüche berichtete über Einsprüche gegen berufsaufsichtliche Entscheidungen des Vorstands.
  • Der Ausschuss für Fortbildung befasste sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Fortbildung und beriet verschiedene Anträge auf Anerkennung von Fortbildung.
  • Der Ausschuss für psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Bayern berichtete über den überarbeiteten Flyer „Psychische Auffälligkeiten und Störungen von Kindern und Jugendlichen“ und die aktualisierten KJP-Informationen auf der Homepage. Außerdem konzipierte und organisierte der Ausschuss die Veranstaltung „Auffällig Unauffällig“ zur Verbesserung der Kooperation von Psychotherapie mit Schule, Gesundheitswesen und Jugendhilfe, die 2019 stattfand. Im Nachgang zu dieser Veranstaltung fand 2020 ein Round-Table mit den Expert*innen der verschiedenen Fachgebiete statt.
  • Die Kommission Psychotherapie in Institutionen plante u.a. einen Angestelltentag, der jedoch aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden konnte. Das Veranstaltungskonzept wird aktuell überarbeitet und es werden ein neuer Angestelltentag sowie eine Online-Informationsveranstaltung für Angestellte geplant.
  • Der Ausschuss für Öffentliche Gesundheitspflege befasste sich mit der Frage, welche Auswirkungen Erscheinungen des Auseinanderfallens unserer Gesellschaft auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung und die Inanspruchnahme von Psychotherapie habe. Ins Zentrum seiner Betrachtung nahm der Ausschuss die Ausbreitung von Armut und die Verstärkung derselben durch die Corona-Pandemie. Der Ausschuss wurde in dieser Amtsperiode neu gegründet und zunächst befristet einberufen. Die Delegiertenversammlung beschloss die Fortführung des Ausschusses für die restliche Wahlperiode.
  • Der Ausschuss für Diversität in der Psychotherapie entwickelte ein Kriterienraster, welches Bedarf, Dringlichkeit und Maßnahmen abbildet, um eine Entscheidung zu erleichtern, für welche speziellen Zielgruppen Psychotherapie stärker durch die PTK Bayern gefördert werden soll. Der Ausschuss möchte nun Vorschläge für Maßnahmen und Angebote für die identifizierten Zielgruppen erarbeiten. Auch dieser Ausschuss wurde in dieser Amtsperiode neu gegründet und ebenfalls zunächst befristet einberufen. Die Delegiertenversammlung beschloss hier ebenfalls die Fortführung des Ausschusses für die restliche Wahlperiode.
  • Die Gleichstellungskommission stellte einen Antrag zur gendersensiblen Sprache und Schreibweise (Nutzung neutraler Begrifflichkeiten wo möglich, ansonsten Verwendung des Gendersterns). Die Delegiertenversammlung stimmte für die gendersensible Schreibweise. Sie wird künftig für alle internen wie externen Schriftsätze und Veröffentlichungen der PTK Bayern gültig. Außerdem sollen bestehende und noch aktuelle Texte (z.B. auf der Homepage) nach und nach überarbeitet werden.

 

Reform von Aus- und Weiterbildung

Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der Delegiertenversammlung stellte die Reform der Aus- und Weiterbildung dar. Am 1. September 2020 ist die Reform der Psychotherapeutenausbildung und der Approbationsordnung für Psychotherapeut*innen in Kraft getreten. Künftig können Berufsanwärter*innen nach dem Bachelor- und Masterstudiengang Psychotherapie die Approbation als Psychotherapeut*in erlangen. Anschließend ist eine Weiterbildung vorgesehen, die für die Bezeichnung Fachpsychotherapeut*in qualifiziert. Dr. Nikolaus Melcop stellte nun den aktuellen Projektstand und den Ausblick zur neuen Weiterbildung vor. Er erläuterte hierfür ausführlich den Paragrafenteil der neuen Musterweiterbildungsordnung (Qualifizierung in Psychotherapieverfahren, Vereinbarungen zwischen Einrichtungen, Weiterbildung in Teilzeit), sowie die Aufteilung der Weiterbildung in den Fachgebieten „Kinder und Jugendliche“ und „Erwachsene“ und die Weiterbildung „Klinische Neuropsychologie“.
Melcop stellte die nächsten Schritte vor: Nun müsse eine Beschlussvorlage für die MWBO inklusive Paragrafenteil und besonderem Teil „Gebiete“ erarbeitet und Gespräche mit (potentiellen) Weiterbildungsstätten geführt werden. Intensiv diskutiert werde aktuell noch die Länge der Weiterbildung. Bereits ab Herbst 2022 könnten die ersten Absolvent*innen des neuen Studiums mit einer Weiterbildung beginnen. Die reformierte MWBO soll daher auf dem Frühjahrs-DPT 2021 verabschiedet werden. Anschließend wird eine Weiterbildungsordnung durch die Delegiertenversammlung der PTK Bayern beschlossen. Die Delegierten diskutierten engagiert unterschiedliche Aspekte des aktuellen Entwicklungsstandes.

 

Änderung der Satzung und der Geschäftsordnung für die Delegiertenversammlung

Vizepräsident Bruno Waldvogel trug die vom Vorstand vorgeschlagenen Ergänzungen der Satzung und der Geschäftsordnung vor, die dem Erhalt der Handlungsfähigkeit der Kammer in unvorhergesehenen Situationen wie der derzeitigen Corona-Pandemie dienen sollen. Der Vorschlag des Vorstands beinhaltete die Möglichkeit der Durchführung von virtuellen Delegiertenversammlungen (Online-Versammlungen), ein schriftliches Abstimmungsverfahren der Delegiertenversammlung ohne Sitzung sowie ein Notfallentscheidungsrecht des Vorstands. Die DV stimmte dem Antrag des Vorstands nach kurzer Diskussion zu. Damit wird die Kammer und die DV nicht nur in unvorhersehbaren Not- oder Krisensituationen handlungsfähiger und flexibler. Die Möglichkeit der Durchführung der DV als Online-Versammlung dient aktuell dem Infektionsschutz, bietet gleichzeitig aber auch weitere positive Aspekte wie z.B. Kostensenkung, Zeitersparnis und Klimaschutz, da An- und Abreise der Delegierten aus ganz Bayern entfallen.

 

Finanzen –Jahresabschluss 2019 & Haushaltsplan 2021 angenommen, Vorstand und Geschäftsführung entlastet

Vizepräsident Peter Lehndorfer erläuterte detailliert den Jahresabschluss für das Jahr 2019. Der Vorsitzende des Finanzausschusses Rudi Bittner trug den Bericht des Finanzausschusses vor und empfahl der Delegiertenversammlung die Annahme des Jahresabschlusses und die Entlastung des Vorstands und der Geschäftsführung. Die Delegierten folgten diesen Empfehlungen.
Vizepräsident Peter Lehndorfer erläuterte den Delegierten außerdem ausführlich den Haushaltsplan 2021. Die Delegiertenversammlung stimmte dem Haushaltsplan zu. Zuvor hatte der Finanzausschuss die Annahme des Haushaltsplans empfohlen.

 

Weiterbildungsordnung

Die Delegiertenversammlung stimmte für eine Verlängerung der Übergangsregelungen der Weiterbildungsordnung (WBO) für PP/KJP in den Bereichen der Systemischen Therapie und der Klinischen Neuropsychologie.
Vorstandsmitglied Dr. Anke Pielsticker erläuterte, dass diese Übergangsregelungen u.a. die Anerkennung der Zusatzbezeichnungen in den entsprechenden Bereichen sowie die Zulassung von Weiterbildungsstätten betreffen. Durch die Verlängerung der Geltung dieser Übergangsregelungen solle für möglichst viele Mitglieder die Erlangung einer Abrechnungsgenehmigung im Bereich der Systemischen Therapie erleichtert werden. Darüber hinaus unterstützt eine Verlängerung der Übergangsbestimmungen eine Stärkung der Strukturen in der Systemischen Therapie und der Klinischen Neuropsychologie.
Außerdem berichtete Frau Pielsticker vom Beschluss des 37. Deutschen Psychotherapeutentags (DPT) zur Erweiterung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) um den Bereich Sozialmedizin. Hintergrund sei das Reformgesetz des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), das seit dem 1. Januar 2020 Tätigkeiten der sozialmedizinischen Begutachtung für andere Heilberufe als Ärzt*innen, also auch Psychotherapeut*innen, eröffne. Aber auch in der Rentenversicherung und im Öffentlichen Gesundheitsdienst würden zunehmend entsprechend qualifizierte Psychotherapeut*innen gesucht. Eine Erweiterung der Musterweiterbildungsordnung um den Bereich Sozialmedizin erschließe also ein Tätigkeitsfeld, in dem psychotherapeutische Kompetenzen zunehmend gefordert sein werden, aber bisher unterrepräsentiert seien.

 

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