Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

7. Bayerischer Landespsychotherapeutentag in München: Die Embodiment Perspektive in der Psychotherapie

Am 11. November 2017 fand der 7. Bayerische Landespsychotherapeutentag (LPT) in München statt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Die Embodiment-Perspektive in der Psychotherapie: theoretische Hintergründe und praktische Anwendungen", für welches sich die Kammermitglieder in einer Abstimmung mehrheitlich entschieden haben.

Der siebte Landespsychotherapeutentag fand in der komplett ausgebuchten Alten Kongresshalle in München statt. Der 7. Landespsychotherapeutentag fand in der komplett ausgebuchten Alten Kongresshalle in München statt. Foto: Siegfried Sperl

Die Veranstaltung war schon einen Monat vorher mit 550 Teilnehmer/innen ausgebucht. Kernfragen der Veranstaltung waren unter anderem: Was steckt hinter den Schlagwörtern „Embodied cognition“, „embodied mind“ und „embodied psychotherapy“? Gibt es spezifische Risiken und Nebenwirkungen bei verschiedenen körperbezogenen Interventionen? Welche Wirksamkeit ist für körperbezogene Methoden bisher nachgewiesen?

 Die Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml bei ihren Grußworten zum siebten Landespsychotherapeutentag. Die Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml bei ihren Grußworten zum 7. LPT. Foto: Siegfried Sperl

Staatsministerin Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, sprach sich in ihren Grußworten für kürzere Wartezeiten auf Psychotherapieplätze und damit für eine bessere ambulante Versorgung in der Psychotherapie aus. Sie betonte, dass dafür eine Reform der Bedarfsplanung unerlässlich ist.

Als weiteres wichtiges Anliegen mahnte die Staatsministerin die Umsetzung der Reform der Psychotherapeutenausbildung an: „Meine Ziele sind eine hochwertige Ausbildung und eine nachhaltige Finanzierung der Weiterbildung. Dafür werde ich mich im Gesetzgebungsverfahren vehement einsetzen“. Letztendlich dankte sie allen Psychotherapeut/innen für ihren täglichen Einsatz in der Gesundheitsversorgung und der Hilfe in Krisensituationen.

Auch Kammerpräsident Nikolaus Melcop sprach in seiner Einführungsrede wichtige politische Themen an: Neben der dringend notwendigen Reform der Aus- und Weiterbildung ging er auch auf die Notwendigkeit einer Reform der Bedarfsplanung und einer besseren Bezahlung für niedergelassene und angestellte Psychotherapeut/innen ein. Er wies darauf hin, dass Psychotherapeut/innen gegenüber massiven Gefahren für die psychische Gesundheit von Menschen auch außerhalb Bayerns und Deutschlands, wie z.B. Gewalt gegen große Gruppen von Menschen, die Augen nicht verschließen sollten. Abschließend gab er eine kurze Einführung in das Thema Embodiment.

Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop bei seiner Einführung zum siebten Bayerischen Landespsychotherapeutentag. Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop bei seiner Einführung zum 7. Bayerischen Landespsychotherapeutentag. Foto: Siegried Sperl

Prof. Dr. Wolfgang Tschacher, Psychologe und Leiter der Abteilung für experimentelle Psychologie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bern, gab mit seinem Fachvortrag „Die Bedeutung von Embodiment für Psychologie und Psychotherapie“ eine übergreifende Einführung in den Themenkomplex. Er erläuterte, wie therapeutische Kommunikation in Form von Synchronie „embodied“ ist.

In dem nachfolgenden Vortrag „Embodiment – Das körperliche Selbst in Psychosomatik und Psychotherapie“, stellte Prof. Dr. Peter Henningsen, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Entwicklungen in den Neurowissenschaften mitsamt Bezügen zu älteren Konzepten dar und diskutierte Implikationen für Psychosomatik und Psychotherapie.

Mit einem Überblick über aktuelle Forschungsbefunde informierte Prof. Dr. Corinna Reck, Professorin für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters & Beratungspsychologie, über die „Die Bedeutung der frühen Mutter-Kind-Interaktion für Embodiment“. Anhand von Videoanalysen zeigte sie die Möglichkeiten der positiven Einflussnahme auf das interaktionelle Embodiment in der frühen Mutter-Kind-Beziehung auf.

Dr. Maren Langlotz-Weis, Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis, veranschaulichte anhand von Fallbeispielen in ihrem Vortrag „Körper, Gefühl und Verhaltenstherapie: Chancen einer Einbeziehung des körperlichen Erlebens“ wie der Körper als weitere Ressource im therapeutischen Vorgehen bei der Arbeit mit Gefühlen genutzt werden kann.

Abschließend erläuterte Prof. Dr. Ulfried Geuter, Psychologischer Psychotherapeut und apl. Professor im Studienschwerpunkt Körperpsychotherapie, in seinem Vortrag „Körpererleben als Zugang zum Selbsterleben“ unterschiedliche theoretische Modelle sowie zehn Prinzipien klinischer Praxis in der Körperpsychotherapie.

Die Referent/innen und der Vorstand der PTK Bayern auf dem siebten Landespsychotherapeutentag. Die Referent/innen und der Vorstand der PTK Bayern auf dem 7. Landespsychotherapeutentag (v.l.): Dr. Maren Langlotz-Weis, Peter Lehndorfer, Prof. Dr. Ulfried Geuter, Dr. Monika Sommer, Dr. Nikolaus Melcop, Prof. Dr. Corinna Reck, Prof. Dr. Wolfgang Tschacher, Dr. Bruno Waldvogel, Birgit Gorgas und Prof. Dr. Peter Henningsen. Foto: Siegried Sperl

Den Ausklang der Veranstaltung stellte eine künstlerische Zusammenfassung des 7. Bayerischen Landespsychotherapeutentags durch das „Theater-Interaktiv“ dar, das den Ablauf des LPT auf der Bühne auf seine ganz eigene Art und mit viel Humor in Form von Zitaten, Bildern und Gesten des Tages widerspiegelte.

Das „Theater-Interaktiv“ fasste den LPT mit viel Humor in kurzen Sequenzen zusammen. Das „Theater-Interaktiv“ fasste den LPT mit viel Humor in kurzen Sequenzen zusammen. Foto: Siegfried Sperl
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