Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Landespsychotherapeutentag 2019 – Kammermitglieder wählen das Thema!

Die Mitglieder der PTK Bayern haben die Möglichkeit, über das Thema des Bayerischen Landespsychotherapeutentages 2019 (LPT) abzustimmen. Nachdem die Mitglieder zunächst Vorschläge einreichen konnten, wurden daraus drei Themen entwickelt und aufbereitet. Über diese Themen können die Kammermitglieder nun online abstimmen. Das Thema mit den meisten Stimmen wird das Leitthema des LPT 2019.

Zur Wahl stehen folgende Themen:

Thema 1: Psychotherapie in Grenzsituationen
Nicht nur Patient/innen, sondern auch Psychotherapeut/innen können in der Psychotherapie auf verschiedenartige Grenzsituationen stoßen. Hiermit sind außergewöhnliche Situationen gemeint, die Psychotherapeut/innen als Person besonders herausfordern. Dies kann sich z. B. in folgenden Situationen ergeben:
  • Psychotherapie an der Grenze von Leben und Tod
  • Entscheidungen gegen die Autonomie der Patientin/des Patienten bzw. gegen die Schweigepflicht (z. B. bei Selbst-, Fremd- oder Kindeswohlgefährdung)
  • Psychotherapeut/innen nach dem Suizid einer Patientin/eines Patienten
  • Angriffe auf die psychische oder physische Unversehrtheit von Psychotherapeut/innen
  • Liebesgefühle in der Psychotherapie
  • Psychotherapeut/innen an der Grenze ihrer Selbstkontrolle
  • Ungewollt einer Patientin/einem Patienten geschadet: Wie weiter?
  • Wenn Psychotherapeut/innen mehr über ihre Patient/innen wissen als diese ihnen anvertraut haben, dies aber nicht zu erkennen geben können
  • Wenn Patient/innen sich überlegen zeigen (und es auch sind)
  • Psychotherapeut/innen an der Grenze ihrer Arbeitsfähigkeit (durch eigene Erkrankungen, Älter werden etc.)
Thema 2: Bedrohungen/Bedrohungslagen
Obwohl die Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung, der Unfall-, Kriminalitäts- und Arbeitslosenstatistiken dafürsprechen, dass das Leben in Deutschland nie sicherer war als jetzt, scheint sich in der Bevölkerung ein starkes Unsicherheitsempfinden auszubreiten. Lässt sich aus psychotherapeutischen Erfahrungen und Erkenntnissen ableiten, woraus sich dieses Unsicherheitsempfinden speist und warum dieses Empfinden bevorzugt bestimmte Personengruppen (Psychisch Kranke, Geflüchtete, Muslime, Juden, Homosexuelle...) als Bedrohungsquelle identifiziert, was wiederum für diese Personengruppen zu einer Bedrohung und Gefahr wird? Welche Positionen nehmen Psychotherapeut/innen in ihren Behandlungen und in unserer Gesellschaft dazu ein? Spiegeln sich reale Bedrohungen wie z. B. die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen im Erleben der Menschen und in Psychotherapien wider?
Wie gehen Psychotherapeut/innen mit realen Bedrohungen um, die von gewaltbereiten Patient/innen ausgehen? Wie kann der Ausübung von Gewalt psychotherapeutisch entgegengewirkt werden? Ist dies auch im Rahmen des Gewaltmonopols des Staates in einem „Zwangskontext“ möglich? Und wie kann die von einem Menschen ausgehende Bedrohung beurteilt werden, wenn dieser Mensch krankheitsbedingt oder willentlich schon Gewalt gegen Andere ausgeübt hat oder sich ideologisch radikalisiert hat? Welche Bedrohungen erwachsen aus der zunehmenden Verherrlichung von Gewalt in zahlreichen jugendlichen Subkulturen? Sind diese Jugendlichen durch psychotherapeutische Behandlungen und/oder Präventionsmaßnahmen noch erreichbar?
Was sind bedrohliche Berufsrisiken von Psychotherapeut/innen und wie gehen sie damit um?
Thema 3: Achtsamkeit – das Konzept für die Zukunft?
Achtsamkeit wurde in den letzten Jahren zu einem wichtigen Trendsetter. Für eine Vielzahl von Psychotherapeut/innen in Praxis und Wissenschaft wurde dieser Begriff und das damit verbundene Konzept zu einem bedeutsamen Bezugspunkt für theoretisch-fachliche und klinische Weiterentwicklungen in unterschiedlichen Anwendungsfeldern. In der Gesundheitsförderung und der Ratgeberliteratur ist Achtsamkeit inzwischen ebenfalls zu einem Schlüsselbegriff geworden. Dabei ist die breite Verwendung des Begriffs nicht unumstritten. Auf dem LPT soll Zwischenbilanz gezogen und der Frage nachgegangen werden, ob und inwieweit das Achtsamkeitskonzept Zukunftspotential für die psychotherapeutische Praxis und Forschung, für unterschiedliche psychotherapeutische Ansätze, für Prävention und Selbsthilfe und vielleicht sogar für weitere Anwendungsfelder in sich trägt. Hierzu sollen Vertreter/innen unterschiedlicher psychotherapeutischer Bereiche als Referent/innen gewonnen und auch ein Blick über den Zaun geworfen werden.
Mögliche Themen und Fragestellungen können hierbei sein: „Achtsamkeit“ – Karriere einer jahrtausendealten Übung. Ist Achtsamkeit aus Sicht der Psychotherapie-Forschung für Psychotherapeut/innen unverzichtbar? Gibt es Berührungspunkte zur gleichschwebenden Aufmerksamkeit? Sollten alle Kinder und Jugendlichen Achtsamkeit erlernen? Das neue Paradigma der "Achtsamkeit" - alter Wein in neuen Schläuchen?

 

Die Umfrage ist abgeschlossen.

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