Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Nationale Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz veröffentlicht

08. Dezember 2010 - Am 30. November 2010 haben die Träger des Programms „Nationale VersorgungsLeitlinien“ (NVL) – die Bundesärztekammer (BÄK), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – gemeinsam mit den zuständigen Fachgesellschaften die „Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz“ präsentiert.

Die „NVL Kreuzschmerz“ gibt Hilfen für die Versorgung von Patient/inn/en mit nichtspezifischem Kreuzschmerz, bei dem keine bestimmten körperlichen Ursachen für die Schmerzen diagnostiziert werden können. Sie richtet sich an Ärztinnen/Ärzte, Psychotherapeut/inn/en sowie Angehörige weiterer Berufsgruppen, die an der Versorgung dieser Personen in allen Sektoren beteiligt sind.
 
Im Vordergrund der Schmerzerkrankungen, die zu einem großen Teil den Erkrankungen des Bewegungsapparates zuzuordnen sind, stehen Rückenleiden. 3,5 % aller direkten Krankheitskosten, das entspricht ca. 8,3 Milliarden Euro, fallen auf Rückenleiden zurück. Im Jahr 2006 waren 5,2 % der gesamten verlorenen Erwerbstätigkeitsjahre auf Rückenleiden zurückzuführen, das entspricht der kalkulatorischen Kennzahl von 208.000 Erwerbstätigkeitsjahren (Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und vorzeitiger Tod). Schätzungen zufolge verursachen schmerzbedingte Arbeitsausfälle in ihrer Gesamtheit – also Behandlungen, Reha-Maßnahmen und Frühverrentungen – in Deutschland Kosten von etwa 40 Milliarden Mark pro Jahr.
 
Die Leitlinie empfiehlt, wie psychosoziale Risikofaktoren (z. B. Depressivität, Stress, ausgeprägtes Schon- und Vermeidungsverhalten) zu erfassen und Patienten aufzuklären sind. Die „NVL Kreuzschmerz“ soll dazu beitragen, Patient/inn/en mit hohem Risiko für chronische Rückenschmerzen früher zu erkennen und besser behandeln zu können. An der Erstellung der Leitlinie war auch die Bundespsychotherapeutenkammer beteiligt.
 
Anfang März 2010 hat die PTK Bayern in ihrer Veranstaltung „Psychotherapie und psychologische Interventionen bei körperlichen Erkrankungen“ bereits auf die Möglichkeiten der psychologisch-psychotherapeutischen Interventionen hingewiesen.
 

Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick (Diagnostik, Behandlung und Prävention nichtspezifischer Rückenschmerzen):

  • Um gefährliche Verläufe auszuschließen, sollen bestimmte Warnsignale mit dringendem Handlungsbedarf ('red flags') stets erfasst werden.
  • Sind gefährliche Verläufe ausgeschlossen, sollen im akuten Stadium keine bildgebenden Untersuchungen durchgeführt werden. Im Vordergrund soll die körperliche Aktivierung der Betroffenen stehen, bei chronischen Rückenschmerzen die Bewegungstherapie.
  • Bei anhaltenden Rückenleiden sollen psychosoziale und körperliche Risikofaktoren erfasst werden, die zu chronischen Kreuzschmerzen führen können ('yellow flags').
  • Bei subakuten Kreuzschmerzen (keine Besserung nach sechs Wochen trotz leitliniengerechter Behandlung) und Vorliegen psychosozialer Risikofaktoren soll Kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden.
  • Bei chronischen Rückenschmerzen (über zwölf Wochen) soll Kognitive Verhaltenstherapie innerhalb eines multimodalen Therapiekonzepts angewendet werden.
  • Besteht der Verdacht auf psychosoziale Belastungen, können bei zwei Wochen andauernden Kreuzschmerzen nach der ärztlichen Beratung Psychotherapeut/inn/en zur weiteren Diagnostik und Behandlung konsultiert werden.
  • Beim Vorliegen (komorbider) psychischer Störungen soll eine entsprechende leitliniengerechte Versorgung eingeleitet werden.
Die Lang- und Kurzversion der „NVL Kreuzschmerz“ finden Sie unter folgenden Links:
 
VOILA_REP_ID=C12576B1:002BE964