Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

1. Bayerischer Landespsychotherapeutentag am 12. November 2005 "Psychotherapie im Wandel des Gesundheitssystems am Beispiel der Depression"

12. November 2005 - Großes Interesse fand der 1. Bayerische Landespsychotherapeutentag sowohl bei unseren Mitgliedern, als auch bei Vertretern von Medien, Politik und Gesundheitswesen. Rund 700 Teilnehmer belegten das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Forum für berufspolitischen und fachlichen Austausch. „Mit dieser Tagung wollen wir nach innen für die Mitglieder einen Raum für die fachliche Fortbildung, der Diskussion und des Zusammentreffens bieten“ sagte Präsident Dr. Melcop in seiner Eröffnungsrede, „und nach außen ein Signal setzen, ...um über die aktuelle Versorgungssituation zu diskutieren“. Das Thema der Tagung, das zwei Aspekte verband - die Perspektive auf die Umbrüche im Versorgungssystem und die fachliche Sicht auf neue Behandlungsmodalitäten - traf auf breites Interesse bei den Kammermitgliedern. „Es geht sowohl um die Suche nach der besten Arbeitsweise für die einzelne Patientin, den einzelnen Patienten, der zu uns kommt. Aber es geht auch darum, dass wir unsere Profession als zentralen Pfeiler in einer Gesellschaft begreifen, in der immer mehr Menschen leben mit der Diagnose einer behandlungsbedürftigen psychischen Krankheit... Wir wollen hier unsere Verantwortung auch über die einzelne Therapiesitzung hinaus wahrnehmen und erfüllen“ führte Dr. Melcop weiter aus.

Staatsministerin Christa Stewens unterstrich in Ihren Grußworten die Bedeutung von Prävention, Diagnostik und effizienter Behandlung psychischer Erkrankungen. Sie beschrieb das Bestreben, einen Paradigmenwechsel hin zu personenbezogenen Hilfen, vor allem im Bereich der schweren psychischen Störungen, zu vollziehen: „Einzelne Hilfekonzepte sollen zu einem ganzheitlichen Konzept zusammengefasst werden, das die multiprofessionellen Hilfen integriert. Auf diese Weise kann auch den vielfältigen Störungsbildern und den individuellen Lebensentwürfen der betreuten Menschen besser Rechnung getragen werden.“ Sie betonte in Ihrer Rede die Notwendigkeit von Reformen des Versorgungssystems. Sie verwies dabei jedoch auch auf die Notwendigkeit, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen weiter eine zentrale Rolle spielen.

Prof. Butollo überbrachte die Grüße des Rektors der Ludwig-Maximilians-Universität, Frau Dr. Pfaffinger die der bayerischen Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und Herr Prof. Richter begrüßte die Anwesenden als neu gewählter Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer.

Die beiden Hauptvorträge befassten sich mit den Versorgungsstrukturen von Psychotherapie, analysierten dabei die jetzige Versorgungslandschaft und gaben Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

Prävalenz psychischer Störungen

In einem State-of-the-Art Vortrag zu Fakten und Zahlen des Versorgungssystems in Deutschland belegte Prof. Uwe Koch (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) eindrucksvoll die hohe Prävalenz psychischer Störungen und die Bedeutung der psychotherapeutischen Behandlung psychischer Erkrankungen.

Man könne davon ausgehen, dass ca. 1/3 aller Erwachsener in Deutschland innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten „irgendeine behandlungsbedürftige psychische Störung“ aufwiesen, mehr als 10% aller Erwachsenen in Deutschland eine behandlungsbedürftige affektive Störung, d.h. vereinfacht gesagt eine Depression, eine Manie oder eine bipolare Störung (Bundesgesundheitssurvey, 1998). Zudem gebe es in Deutschland einen erheblichen Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsfälle, –tage und auch der vorzeitigen Berentungen aufgrund psychischer Erkrankungen (AOK-Daten, Badura et al., 2005; DAK, 2005). Ein eindrucksvolles Beispiel dafür sei die Aufschlüsselung der Berentungen wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bei Frauen: Während in den letzten 20 Jahren die Berentungen aufgrund von Herz-/Kreislauferkrankungen von rund 45% auf 15% abgenommen hätten, hätten Berentungen aufgrund psychischer Erkrankungen drastisch zugenommen und seien mittlerweile der häufigste Berentungsgrund bei Frauen (ca. 37% der Berentungen).

Bedeutung von Psychotherapie

Innerhalb der Versorgungsstrukturen zeige sich, dass ein Großteil der ambulanten Leistungen im Bereich psychischer Erkrankungen von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erbracht werde. Im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung psychischer Erkrankungen stellten PPs mit rund 67% die größte Berufsgruppe dar, KJPs seien mit rund 13,5% vertreten. Der Schweregrad der psychischen Erkrankungen könne mit ca. 40-45% an schweren Fällen und rund 40% mit mittlerem Schweregrad angenommen werden. Die sinkende Verweildauer in den Kliniken und der hohe Anteil an schwerer Erkrankten (die eher in den Kliniken behandelt werden) machen deutlich, wie wichtig die ambulante psychotherapeutische Versorgung sei.

Koch forderte eine größere Transparenz von Spezialisierungen und der Steuerungsprozesse der Art der Inanspruchnahme ambulanter Angebote. Unklarheiten bestünden demnach bezüglich des Beitrags zur Versorgung hinsichtlich der nicht ausschließlich psychotherapeutisch tätigen Ärzte, der nach dem Heilpraktikergesetz Tätigen, der Beratungsstellen, Ambulanzen und Tagkliniken.

Wettbewerbsfähigkeit und Kooperation

Thomas Ballast<7i> (Abteilungsleiter Vertrags- und Versorgungsmanagement der VdAK/AEV) entwickelte in seinem Vortrag „Psychotherapie in den Versorgungsstrukturen von heute und morgen“ Perspektiven für mögliche zukünftige Vertragsstrukturen und Organisationsformen der Versorgungslandschaft. Gefordert sei ein größerer Wettbewerb der Versorgungsangebote und Versorgungserbringer, zum einen bezüglich der monetären Aspekte, aber auch bezüglich der Qualität der Versorgung. Ballast forderte überzeugende, evidenzbasierte Psychotherapiekonzepte für die Zukunft, er forderte dass PP und KJP die Bereitschaft zur Qualitätssicherung und –kontrolle mitbrächten, sich zu Effizienz verpflichteten und auch ihre Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Berufsgruppen deutlich machten.

Herausforderungen für die Zukunft

Auf der Podiumsdiskussion zum Thema „Psychotherapeut/inn/en in der Depressionsbehandlung. Bestandsaufnahme und Perspektiven“ diskutierte das Publikum mit Prof. Anna Auckenthaler (FU Berlin), Thomas Ballast (VdAK/AEV), Prof. Martin Hautzinger (Universität Tübingen), Prof. Uwe Koch (Universität Hamburg), Dr. Klaus-Thomas Kronmüller (Psychiatrische Universitätsklinik Heidelberg), Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber (Sigmund-Freud-Institut Frankfurt/M.) und Prof. Almuth Sellschopp (TU München) unter Moderation von Werner Buchberger (BR2, München). Dr. Melcop fasste in seinem Redebeitrag am Schluss die Diskussion zusammen: „Ich erlebe hier im Saal ein Innehalten. Zum einen haben wir als Berufsgruppe vergleichsweise viel erreicht bei der Etablierung von Psychotherapie im Gesundheitssystem. Wenn wir in die Zukunft schauen, stehen aber schon wieder enorme Herausforderungen vor uns, auf die wir uns einstellen müssen. Die Kammer will hier für alle eine wichtige Unterstützung bieten.“

Im fachlichen Teil wurde in zwölf teilweise parallelen Vorträgen und Workshops zu vielfältigen Themen referiert, rege Diskussionen schlossen sich an. Bitte beachten Sie unseren ausführlichen Abstractband (Download als pdf, 157 kB >>) auf unserer Homepage zu den Inhalten! Den Abschluss des Tages bildete ein geselliges Beisammensein.

Rückmeldungen der Teilnehmer

Vielen Dank für Ihre Rückmeldungen! Wir verwerten die ausführlichen inhaltlich-qualitativen Rückmeldungen für unseren nächsten Landespsychotherapeutentag und versuchen, möglichst viele Anregungen zu berücksichtigen. Hauptsächlich bezog sich die Kritik der Rückmeldungen auf die Zahl der Workshop-Plätze und stammte von denen, die keinen Platz mehr finden konnten. Leider wird es uns auch in Zukunft sicher nicht ganz gelingen, allen Anforderungen und Wünschen gerecht zu werden, Kompromisse zwischen der Anzahl und der Art möglicher Veranstaltungen (Informationsvermittlung versus Forum für vertiefende Reflexion) werden nötig sein.

Insgesamt haben wir von den 700 verteilten Bögen 153 ausgefüllt zurück erhalten (vielen Dank auch für die nachträglich per Post eingegangenen!). Dies entspricht einer Ausschöpfung von 21,9%, kann daher leider nicht als repräsentativ angesehen werden. Die „Durchschnittsnoten“ für „Informationsgehalt“, „Themenauswahl“, „Qualität“ und „thematische Ausgewogenheit“ liegen zwischen 2 und 2,5. Am besten wurde die „Organisation der Veranstaltung“ bewertet (2,0), auch über das „Gesamturteil über die Veranstaltung“ von 2,4 freuen wir uns sehr.
Rund 700 Teilnehmer fanden in der Großen Aula Platz Rund 700 Teilnehmer fanden in der Großen Aula Platz

Rede von Präsdident Dr. Melcop zur Eröffnung des 1. Baerischen Landespsychotherapeutentags

Sehr geehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die bayerische Landeskammer der PP und KJP  repräsentiert zwei Berufe, die 1999 ihre gesetzliche Verankerung erhalten haben, die aber schon seit vielen Jahrzehnten maßgeblich zur Versorgung von Menschen psychischen Störungen beitragen. Heute wird von unseren Berufsangehörigen in der psychotherapeutischen Versorgung in Bayern und in Deutschland mit Abstand der größte Anteil geleistet. 

Wir als junge Kammer wollen mit diesem Landespsychotherapeutentag
  • nach innen: für die Mitglieder einen Raum für die fachlichen Fortbildung und Diskussion und des Zusammentreffens bieten,
  • Nach außen ein Signal setzen: - hierzu wollen wir: gemeinsam mit anderen wichtigen Vertretern des Gesundheitssystems über die aktuelle Versorgungssituation diskutieren


Wir haben beim Thema des Landespsychotherapeutentages zwei miteinander verknüpfte inhaltliche Haupt-Schwerpunkte gewählt: Psychotherapie im Wandel des Gesundheitssystems und, - als Vertiefung und Verdeutlichung - am Beispiel der Depression.

Wir möchten also mit Ihnen gemeinsam darüber nachdenken, wo Psychotherapie und die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sich im Gesundheitssystem und damit in der gesamten gesellschaftlichen Verantwortung verorten. Wo wollen und  wo sollen wir im System unseren Platz und unsere Funktion haben? Wie kann der Beitrag, den Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten heute im Rahmen der Depressionsbehandlung leisten, dargestellt werden, wie können Zukunftsperspektiven aus fachlicher Sicht aussehen und – nicht zuletzt, was kann jedes Kammer-Mitglied tun, um zu einer optimalen Behandlung und Versorgungssituation auf dem neuesten Stand der wissenschaftlich fundierten Psychotherapieforschung mit beizutragen? D.h. es geht sowohl um die Suche nach der besten Arbeitsweise für die einzelne Patientin, den einzelnen Patienten, der zu uns kommt. Aber es geht auch darum, dass wir unsere Profession als zentralen Pfeiler in einer Gesellschaft begreifen, in der immer mehr Menschen leben mit der Diagnose einer behandlungsbedürftigen psychischen Krankheit, insbesondere auch einer Depression. Wir wollen hier unsere Verantwortung auch über die einzelne Therapiesitzung hinaus wahrnehmen und ausfüllen. 

Depressive Stimmungen gehören als wichtiger Teil unserer Gefühls- und Erlebenswelt zum Menschsein. Heute werden aber psychische Störungen insbesondere mit Diagnosen aus dem Bereich der Depression, in bisher nicht gekanntem Ausmaß festgestellt - und nehmen weiter permanent zu. Depressive Störungen können als „Volkskrankheit“ ersten Ranges bezeichnet werden. Wir dürfen aber bei der Feststellung des Auftretens von depressiven Erkrankungen nicht stehen bleiben.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Lebenswelten der Menschen ändern sich in fortlaufend zunehmender Geschwindigkeit. Die Anpassungsleistungen, die der einzelne Mensch in seinem Umfeld als Teil einer globalisierten Wettbewerbssituation zu leisten hat, nehmen weiter zu. Dieser Prozess muss im Subjekt verarbeitet werden in Form einer Anpassungsleistung mit dem Ziel, sich selbst als selbstverständlich guter Mittelpunkt der Welt zu begreifen und dort auch wohl zu fühlen. Psychische Störungen und insbesondere depressive Erkrankungen werden heute nicht nur bei der einzelnen Patientin, beim einzelnen Patienten besser erkannt, diagnostiziert. Psychische Störungen und die Patienten müssen auch im größeren Kontext gesehen werden.
Gerade in Zeiten, in denen sowohl psychische Störungen als auch die Wirkung von erfolgreicher Psychotherapie mit bildgebenden Verfahren im Gehirn lokalisiert dargestellt werden können und die biologische und pharmakologische Forschung massiv gefördert wird, muss ein verstehender Zugang zu den einzelnen Menschen Platz und Raum haben, ein Zugang dazu, wie das gesellschaftliche Umfeld verarbeitet wird und dabei eben oft nicht subjektive Zufriedenheit vor dem Hintergrund der eigenen Lebensgeschichte gefunden werden kann und psychische Krankheit entsteht. Unsere Profession zeichnet sich in ihrer wissenschaftlichen Fundierung dadurch aus, dass sie neben der erfolgreichen Anwendung des statistischen Modells, also des Zählens, auch in das Verstehen des „ER-Zählens“ der einzelnen Patienten eingebettet psychotherapeutisch handelt.

Wir finden im Erzählen unserer Patientinnen und Patienten sowohl individuelle Schicksale und Behinderungen, die wir in therapie- und störungsspezifische Modelle zuordnen, als auch die Auswirkungen gesamtgesellschaftlicher Tendenzen. So finden wir bei ihnen z.B. die direkten Auswirkungen der Notwendigkeit zur individualisierten Lebensgestaltung und den weiteren Rückgang der Einbettung in reale soziale Beziehungen und Netze für viele Menschen. Wir finden auch den zunehmenden Übergang zu virtuellen globalisierten Netzen.
Ministerin Stewens überbringt die Grüße der Bayerischen Staatsregierung Ministerin Stewens überbringt die Grüße der Bayerischen Staatsregierung
Wir können die Stützung durch reale soziale Netzwerke nicht ersetzen durch unser Angebot Psychotherapie, auch wenn die fachkundige Psychotherapie immer eingebettet in die reale Begegnung und Beziehung mit dem Patienten ist und sein muss. Aber wir können den Menschen u.a. helfen, ihre eigenen Ressourcen durch fachliche Intervention so zu erkennen, zu fördern und zu nutzen, dass das Erleben der eigenen Person als wert- und hilflos überwunden werden kann und neue Ressourcen erschlossen werden. 
Wir können eine Sitzung nur mit einem Patienten oder einer kleinen Gruppe verbringen, haben keine Geräte, die sich bei intensiver Nutzung besser rentieren, keine Medikamente, die von uns vermehrt verschrieben werden. Im Gegenteil. Gerade die Arbeit mit depressiven Patienten erfordert sowohl in der akuten Anfangsphase als auch im weiteren Therapieverlauf eine fundierte Ausbildung, Kraft und Erfahrung, um den Erfolg in kleinen Schritten und intensiver Arbeit eingebettet in die therapeutische Beziehung gemeinsam mit den Patienten zu erreichen. Im Unterschied zur Pharmako-Therapie oder auch therapeutischen Internet-Nutzungen ist unser Angebot nicht beliebig erweiterbar. Die Nachfrage, die an uns herangetragen wird, können wir nicht in dem Umfang erfüllen, wie wir uns das selbst oft wünschen würden.

Umso wichtiger erscheint mir, dass wir als praktisch tätige Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die Augen aufmachen. Einerseits wird es immer Möglichkeiten geben, das eigene therapeutische Handeln für Behandlung und Rückfallprophylaxe gerade in Bezug auf die große Volkskrankheit Depression zu verbessern, neue wirksame Behandlungselemente zu integrieren, und damit auch die Freude am eigenen Arbeiten immer wieder zu erneuern. Nach einer guten Fortbildung wird die alltägliche Praxis wieder um neue Aspekte erweitert und damit interessanter und auch effektiver. Hierzu will die heutige Tagung uns allen als praktisch Tätigen eine weitere Gelegenheit geben. 

Darüber hinaus kommt uns aber auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung als Teil des Gesundheitssystems zu. Kaum eine Berufsgruppe ist so nah an den Funktionsmechanismen menschlichen Zusammenlebens. Wir können beurteilen, was Menschen in ihrer individuellen Lebensgestaltung und gelingenden Identitätsbildung brauchen, um sich - von der Kindheit an - möglichst gesund zu entwickeln und zufriedener leben zu können. Auch wenn wir eigentlich mit der Behandlung von Störungen und Krankheit im Einzelfall mehr als genug zu tun haben, werden wir in Zukunft vermehrt unser Know-how einbringen müssen, wenn es um Fragen der Prävention, Früherkennung bis hin zur Gestaltung von Lebensumfeld und Lebenswelten geht. Hierzu wird es vermehrt notwendig sein, mit anderen Berufsgruppen, z.B. den Hausärzten oder Psychiatern, und Initiativen, wie z.B. dem „Bündnis gegen Depression“  zusammenarbeiten, um eine möglichst breite Basis für Möglichkeiten zum Entstehen psychischer Gesundheit und zur Verhinderung psychischer Krankheit mit zu unterstützen.

Die Strukturen des Gesundheitssystems oder die sog. „Versorgungslandschaft“ in Bayern, Deutschland und Europa ist kein französischer und kein englischer Garten sondern ein äußerst kompliziertes historisch gewachsenes Angebotsspektrum. Gerade durch die Arbeit der Kammer ist vielen erst richtig deutlich geworden, dass wir Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Akteure, Player, und Teil des Wandels sind in dieser Landschaft sehr unterschiedlicher Interessen.  

Da die gesetzliche Verankerung von Psychotherapie und Psychotherapeuten in Zeiten des Wandels kein Garant sein kann, begreifen wir insbesondere die aktuelle politische Situation als eine, in der wir uns stellvertretend für die 4700 bayerischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu Wort melden.

Wir haben uns z.B. in der letzten Zeit mit Schreiben an die bayerischen Arbeitsgruppenmitglieder in den Koalitionsgesprächen gewandt und warten darauf, ob und wie die neue Bundesregierung bei anstehenden Gesundheitsreformen dafür Sorge tragen wird, dass psychotherapeutisches Know-how mit allen seinen Möglichkeiten in Prävention, Behandlung und Rehabilitation berücksichtigt wird.

Wir haben so auch z.B. beim bayerischen Landesplan zur Versorgung psychisch kranker und behinderter Menschen mitgewirkt. Wir fordern die bayerische Staatsregierung auf, Frau Staatsministerin Stewens, ihre Einflussmöglichkeiten im Land und im Bund nutzen, um die psychische Gesundheit und die Behandlung psychischer Krankheiten wirklich „nachhaltig“ zu fördern. Wir wissen um die allseits diskutierten Finanzierungsfragen, aber es geht auch und vor allem um strukturelle Weichenstellungen.
 
Es ist ein Irrweg, nur auf die Kräfte des freien Wettbewerbs und des Gesundheitsmarktes zu setzen. Wir haben uns u.a. für die besonders schwer psychisch kranken Menschen und den Erhalt der Sozialpsychiatrischen Dienste in Bayern eingesetzt. Das finanziell gesteuerte Interesse großer und rein ökonomisch geführter Gesundheitskonzerne an dieser Thematik ist für mich schwer vorstellbar. Dies trifft natürlich auch auf andere Bereiche in ähnlicher Form zu.

Der Ausstieg der Krankenkassen aus der Finanzierung der Sozialpsychiatrischen Dienste in Bayern zeigt beispielhaft, wie auch sie sich dem finanziellen Druck beugen müssen. Werden die Krankenkassen zukünftig über die Unterstützung angemessener Modelle der integrierten Versorgung für die Integration psychotherapeutischen Sachverstands in das gesamte Gesundheitssystem sorgen können? - Besser als z.B. die Kassenärztlichen Vereinigungen? Wir dürfen gespannt sein, wie sie diese Aufgabe angehen.
 
Bei unseren Gesprächen bei der EU in Brüssel konnten wir feststellen, dass auf europäischer Ebene die Problematik psychischer Erkrankung sehr wohl gesehen wird, unsere Profession aber noch nicht angemessen wahrgenommen wird.  

Gerade im Hinblick auf die Entwicklung in Europa muss unsere akademische Grundqualifikation auch im neuen Studien-System mit Bachelor und Master-Abschlüssen angemessen geregelt sein. Schon im Jahr 2000 hat das Bay. Gesundheitsministerium klargestellt, dass nach dem PTG der Master und nicht der Bachelor Zugangsvoraussetzung zur Psychotherapieausbildung ist. Dies ist auch unserer Auffassung nach zur Sicherung einer qualifizierten Versorgung der Bevölkerung in diesem sensiblen Versorgungsbereich unverzichtbar.

Das akademische Studium ist unsere Grundlage, an das sich unsere intensive Psychotherapieausbildung anschließt. Wir alle aber sind mitverantwortlich, unser Fach zu pflegen und weiterzuentwickeln, - intern und im Kontext. Ich hoffe, dass uns hierzu auch heute ein guter Beitrag gelingt. 

Heute soll zentral Raum für unsere Fragen und Gedanken aus unseren verschiedenen Blickwinkeln sein. So unterschiedlich unsere Ausbildungen und theoretischen Bezugspunkte in vielen Bereichen sein mögen, so deutlich sind m.E. jedoch inzwischen die gemeinsamen Aufgaben und Fragen, die sich uns allen stellen. 

Ich wünsche uns allen, dass wir heute ein gutes Stück weiterkommen - und ich wünsche mir, dass wir uns alle dabei auch ein Stück näher kommen!

Vielen Dank!
Die Ausschüsse und Kommissionen der PTK Bayern nutzten die Gelegenheit, den Mitgliedern sich und ihre Arbeit nahe zu bringen. Der Ausschuss Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie legte pünktlich zum Landespsychotherapeutentag einen Flyer vor, in dem die Tätigkeit von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Behandlungsmöglichkeiten in diesem Feld beschrieben werden.
Präsident Dr. Melcop hält die Eröffnungsrede Präsident Dr. Melcop hält die Eröffnungsrede
Auch die Bayerische Versorgungskammer stellte den Mitgliedern die Bayerische Ingenieurversorgung-Bau mit Psychotherapeutenversorgung vor, das Anfang nächsten Jahres starten und damit eine Altersversorgung für die bayerischen Psychotherapeutinnen Psychotherapeuten bilden wird.
Link: www.psychotherapeutenversorgung.de
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