Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Tag der Heilberufe am 23. Juli 2008 in München

25. Juli 2008 - Am 23. Juli 2008 fand in München der erste „Tag der Heilberufe. Gemeinsam für Gesundheit in Bayern“ statt. Unter dem Motto „Landtagswahl 2008 – Heilberufekammern fragen Politiker“ konfrontierten die Präsidenten der fünf Heilberufekammern in Bayern die Repräsentanten der politischen Parteien mit drängenden Fragen zur Entwicklung des Gesundheitssystems und zu den beruflichen Perspektiven der Heilberufe. Eingeleitet worden war der Aktionstag durch ein Pressegespräch, in welchem die Vertreter der Kammern insbesondere ihre Sorge deutlich machten, dass durch die zunehmende Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung zusammen mit der Zentralisierung und Verstaatlichung wesentlicher Kontrollelemente des Gesundheitswesens eine Wahrung des Ethos und der Qualität der freien Heilberufe durch den Einzelnen und die Selbstverwaltungsgremien erheblich erschwert wird. Hinzu kommt ein Mehr an Bürokratie bei gleichzeitiger Stagnation der Finanzmittel. Diese negativen Entwicklungen bekämpfen die Heilberufekammern gemeinsam zum Wohle der Patienten und ihrer Mitglieder.

Umfassende Informationen zum allgemeinen Teil dieser wichtigen berufspolitischen Veranstaltung finden Sie auf der offiziellen Homepage www.tagderheilberufe.de
Im Folgenden stellen wir Ihnen in Ergänzung zu den allgemeinen Berichten an dieser Stelle die wesentlichen Ergebnisse des Tags der Heilberufe für die Psychologischen Psychotherapeuten und für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in einer kurzen Zusammenfassung vor:
v.l.n.r. Theodor Mantel, Ulrich Krötsch, Nikolaus Melcop, Michael Schwarz, H. Hellmut Koch v.l.n.r. Theodor Mantel, Ulrich Krötsch, Nikolaus Melcop, Michael Schwarz, H. Hellmut Koch
Die PTK Bayern hat sich den Forderungen und der Kritik der anderen Heilberufekammern an den derzeitigen gesundheitspolitischen Entwicklungen angeschlossen und erneut deutlich gemacht, dass die psychotherapeutische Versorgung der Patienten in Bayern gerade vor dem Hintergrund einer stetigen Zunahme von psychischen Erkrankungen nicht ausreichend ist. „Die Patienten finden viel zu oft nicht den Weg zu fachgerechten psychotherapeutischen Angeboten“, erklärte Dr. Nikolaus Melcop, Präsident der Kammer. Dies betrifft insbesondere Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen.
Dr. Melcop erläuterte in diesem Zusammenhang die Gefahren der aktuellen Gesundheitsreform für die psychotherapeutische Versorgung in Bayern, namentlich die Reduzierung der Einnahmen und Einflussmöglichkeiten auf bayerischer Ebene sowie die in ihren Ergebnissen nicht absehbaren Veränderungen der Struktur der Versorgungs- und Vertragsformen, in welchen Psychotherapie derzeit in der Regel entweder keinen oder nur einen marginalen Anteil hat.
Weitere wichtige Fragen für unsere Berufsgruppe sind die sehr niedrige Vergütung von Psychotherapeuten und die hohen Kosten der umfangreichen Psychotherapieausbildung, welche Psychotherapeuten in Ausbildung regelmäßig selbst bezahlen müssen.
 
Schließlich wiederholte Dr. Melcop die Besorgnis, dass durch die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor-/ Mastersystem zukünftig deutlich weniger Studenten das erforderliche Hochschulstudium mit Schwerpunkt in Klinischer Psychologie absolvieren können, was mittelfristig zu einem erheblichen Nachwuchsmangel führen wird.
 
Dr. Nikolaus Melcop Dr. Nikolaus Melcop
In der zentralen Veranstaltung des Tags der Heilberufe, der Podiumsdiskussion der Kammerpräsidenten mit den anwesenden Politikern konnte erreicht werden, dass die Politiker überwiegend ein klares Votum für den Ausbau einer flächendeckenden psychotherapeutischen Versorgung formulierten.
Frau Staatsministerin Christa Stewens (CSU) verwies auf aktuelle Ergebnisse der Expertenkommission zur Situation der ambulanten Versorgung im Sozialministerium und sprach sich ausdrücklich für die Bereitstellung ausreichender Studienplätze in klinischer Psychologie aus. Die letztendliche Verantwortung liege aufgrund der Hochschulreform im Jahr 2006 jedoch bei den Rektoren der Hochschulen. Wie wir in der aktuellen Ausgabe des Psychotherapeutenjournals berichtet haben, ist die Kammer insoweit mit den betroffenen bayerischen Universitäten bereits in einem regen Austausch.
Auch das Thema der Vergütung der praktischen Ausbildung der Psychotherapeuten stehe nach Auskunft von Frau Ministerin Stewens auf der politischen Tagesordnung.
Herr Martin Zeil, Generalsekretär der FDP Bayern, erklärte seine Unterstützung für die Forderungen der Kammer nach einer ausreichenden Mindestquote für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und sprach sich für den Einbezug der Kammer in die Krankenhausplanung in Bayern aus. Dr. Eckhardt Kaiser (Die Linke), Stadtrat in Freising, erklärte, dass eine Verhinderung psychischer Erkrankungen vorrangig durch Veränderungen der Gesellschaft erreicht werden müsse, deren Abbild die Erkrankungen häufig seien. Der Vertreter der SPD, Herr Friedhelm Esch, sprach sich für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung und für eine Sicherung der Studienplatzkapazitäten Klinische Psychologie aus.
Die PTK Bayern wird sich dafür einsetzen, positive Ansätze aus der Diskussion mit den Politikern für die psychotherapeutische Versorgung in Bayern weiter voranzubringen und dabei auch die Umsetzung in konkrete Maßnahmen einfordern.
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