Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Flutkatastrophe in Asien und was Psychotherapie zur Bewältigung der Erlebnisse und Behandlung der Betroffenen leisten kann

30. Dezember 2004 - Wir alle haben die entsetzlichen Bilder der Flutkatastrophe in Asien gesehen. Noch immer ist nicht klar, wie viele Menschen durch die Tsunami-Welle ums Leben gekommen sind. Eines jedenfalls ist klar: Unsere Hilfe wird gebraucht. 

Viele Überlebende dieser Naturkatastrophe sind körperlich und seelisch einer großen Belastung ausgesetzt. Dies kann sie selbst und/oder Ihnen nahe stehende Personen betreffen. Während körperliche Verletzungen meistens schnell behandelt werden, werden die psychisch belastenden Eindrücke häufig von den Betroffenen direkt nach dem Ereignis aus dem Bewusstsein gedrängt bzw. Erinnerungen vermieden und auch von den professionellen Helfern wird die psychische Belastung der Betroffenen nicht sofort wahrgenommen oder verkannt. Die Helferinnen und Helfer vor Ort sowie die Angehörigen der Opfer sind ebenfalls einer starken psychischen Belastung ausgesetzt, die ebenso zu psychischen Symptomen führen kann.

So ein extrem belastendes Ereignis (Trauma) - wie diese Flutkatastrophe in Asien - kann in der Folge dann verschiedene individuelle Symptome auslösen. Typische Symptome, die auf eine solche Belastungsstörung hinweisen, können sein: Schlaflosigkeit und Albträume, sozialer Rückzug, depressive Interesselosigkeit, extreme Reizbarkeit und übermäßige Schreckhaftigkeit. Daneben können auch depressive Störungen und Angststörungen auftreten. Ständig wiederkehrende, ungewollte, belastende Erinnerungen (Flashbacks) führen zu einer Übererregung und mit der Zeit auch zu körperlichen Beschwerden. Der Versuch diese Symptome zu kontrollieren hat oft zur Folge, dass Alkohol-/Medikamentenmissbrauch oder auch Alkohol-/Medikamentenabhängigkeit entsteht.  

Wenn es sich um ein völlig unerwartetes, extrem belastendes Erlebnis handelt, kann eine posttraumatische Belastungsstörung auch bei zuvor völlig gesunden Menschen auftreten. Die Symptomatik tritt meist nicht sofort auf, sondern erst im Laufe der ersten drei Monate nach dem Ereignis. Sie kann sich aber auch erst nach einer langen symptomfreien Zeit entwickeln. In den ersten 4 Wochen nach dem Ereignis spricht man bei Auftreten der Symptomatik von einer akuten Belastungsstörung. Hält diese länger als 4 Wochen an oder tritt danach erst in Erscheinung, wird eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

Häufig werden bei den entsprechenden Symptomen Depressionen und Angststörungen diagnostiziert und mit Medikamenten behandelt. Nach Absetzen der Medikamente ist es aber sehr wahrscheinlich, dass die posttraumatischen Symptome wieder zurückkehren. Deshalb ist es sehr wichtig, dass eine professionelle therapeutische Unterstützung z.B. durch Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten und/oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten möglichst zeitnah erfolgt, damit eine Chronifizierung der Symptomatik vermieden werden kann.

Erste Anlaufstelle für gesetzlich krankenversicherte Betroffene in Bayern sind die Vermittlungs- und Beratungszentralen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns,  die unter der Telefonnummer 01805 / 19 12 12  zu erreichen sind.

Die Bundesregierung stellt aus dem Katastrophengebiet in Südasien rückkehrenden deutschen Touristen und ihren Angehörigen in Deutschland psychosoziale Unterstützung über ihre Koordinierungsstelle NOAH (Nachsorge, Opfer- und Angehörigen-Hilfe) zur Verfügung. NOAH hat seinen Sitz in Bonn beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. NOAH vermittelt wohnortnahe psychotherapeutische Behandlung. NOAH arbeitet u.a. auf der Basis von Listen, die die Landespsychotherapeutenkammern mit Unterstützung ihrer Mitglieder zusammenstellen.

NOAH wurde 2003 von der Bundesregierung gegründet und ist die zentrale Stelle zur Koordination psychosozialer Unterstützung für im Ausland von schweren Unglücksfällen oder Terroranschlägen betroffene Bundesbürger. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von NOAH unterstützen die Hilfesuchenden mit: 
  • Informationen über wohnortnahe Hilfsangebote
  • Informationen bei Fragen nach psychotherapeutischer oder ärztlicher Hilfe und Behandlung
  • Informationen hinsichtlich weiter einzuschaltender Behörden
  • Informationen bei administrativen Fragen und Problemen

NOAH ist rund um die Uhr wie folgt zu erreichen:
  • Hotline: 01888 550 - 433
  • Telefon: 0228 5554 - 433
  • Fax:        0228 5554 - 436 oder 01888 550 - 436
  • E-Mail:    noah@bbk.bund.de
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