Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

4. Angestelltentag der PTK Bayern: PEPP, Tarifpolitik und Vergütung, Berufsordnung sowie psychotherapeutische Ansätze bei Flüchtlingskindern und -jugendlichen im Fokus

Die vierte Fortbildungs- und Informationsveranstaltung der PTK Bayern für angestellte und beamtete Kammermitglieder fand am 11.3.2016 in München statt. Rund 75 in Institutionen tätige Psychologische Psychotherapeut/innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen nutzten den Fachtag, um sich über spezifische Themen aus dem Bereich der Angestellten zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.

Die Referent/innen und Ansprechpartner/innen des Angestelltentages 2016 (v. l.): Dipl.-Psych. Robert Mayer, Leiter der Kommission für Psychotherapie in Institutionen, Dr. Christian Hartl, Bezirksklinikum Regensburg, Dipl.-Psych. Barbara Abdallah-Steinkopff, REFUGIO München, Dipl.-Psych. Roman Christl, Bezirksklinikum Regensburg, Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel, Kammerjustitiar Thomas Schmidt, Vorstandsmitglied PD Dr. Heiner Vogel. Foto: Johannes Schuster

Nach der Eröffnung durch Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel erläuterte Vorstandsmitglied PD Dr. Heiner Vogel den aktuellen Stand des Pauschalierenden Entgeltsystems Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP). Am 18.2.2016 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Eckpunkte zur Weiterentwicklung des PEPP vorgelegt, die noch dieses Jahr in einem Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden sollen. Die geplante Einführung des jahrelang kritisierten PEPP als neues Abrechnungssystem für Psychiatrie und Psychosomatik wird nicht realisiert. Das BMG will von den ursprünglich geplanten landeseinheitlichen diagnosebezogenen Tagesentgelten abrücken. Die Behandlung in psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäusern sowie Fachabteilungen soll sich zukünftig an Leitlinien orientieren. Die Eckpunkte des BMG sehen vor, dass die Krankenhäuser wie bisher krankenhausindividuelle Budgets verhandeln können, allerdings nicht mehr auf der Basis ihres Personaltableaus, sondern auf der Basis ihrer Leistungen (hier werden die PEPP-Dokumentationen weiterhin relevant sein). Damit sind wesentliche Forderungen der BPtK erfüllt. Die Eckpunkte des BMG, eine Zusammenfassung und Einschätzung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) sowie eine Presseinformation der BPtK hierzu finden Sie in der unteren Liste zum Herunterladen.

Der vierte Angestelltentag fand im Bezirk Oberbayern in München statt. Foto: Johannes Schuster

Dipl.-Psych. Roman Christl, Bezirksklinikum Regensburg, ging in Vertretung seiner Kollegin PD Dr. Monika Sommer auf die Auswirkungen des PEPP auf die Erwachsenenpsychiatrie ein. Insgesamt entfallen 10 Prozent der stationären Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf den psychiatrisch-psychosomatischen Bereich. Nach der aktuellen Entscheidung des BMG sollen bundeseinheitliche Bewertungsrelationen auf Grundlage der Kostendaten von Kalkulationshäusern gebildet werden. Kalkulationshäuser müssen dabei die Personalvorgaben der Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV) vollständig erfüllen. Bis zum 1.1.2020 soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) verbindliche Mindestvorgaben für die personelle Ausstattung festlegen. Der Fachvortrag von Dr. Monika Sommer ist als PDF-Datei in der unteren Liste zum Herunterladen platziert.

Im zweiten Teil seines Vortrags erläuterte Roman Christl die Spezifika der Versorgung in der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie. Die Situation sei vor dem Hintergrund eines sehr hohen Personalaufwands durch einen erheblichen Anstieg der Intensivpatient/innen (jugendliche Krisen) bei rasch veränderten Lebensbedingungen („Digital Victims“) gekennzeichnet. Darüber hinaus sei eine Fokussierung auf das „Hometreatment“ bereits in der Entlassplanung präsent.

Dipl.-Psych. Barbara Abdallah-Steinkopff, REFUGIO München, hielt einen Fachvortrag mit dem Titel „Auf der Flucht: Psychische Auswirkungen bei Kindern/Jugendlichen – Herausforderungen in der Therapie“. Der Wechsel vom Überlebensmodus zum Leben in der Normalität sei für die vielen Flüchtlingskinder schwierig. Die Folgen sei eine fehlende Kontinuität im Verhalten vieler junger Flüchtlinge. Risikofaktoren für eine chronifizierte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Flüchtlingskindern seien insbesondere psychosoziale Belastungen im sozialen Umfeld des Kindes wie beispielsweise Arbeitslosigkeit der Eltern oder Erkrankung eines Elternteils sowie schwierige sozioökonomische Bedingungen (z. B. beengte Wohnverhältnisse). Zu wenig Geld, um an Freizeitaktivitäten der Gleichaltrigen teilnehmen zu können, erschweren die soziale (Re-)Integration. Den Vortrag von Barbara Abdallah-Steinkopff finden Sie in Kürze in der unteren Liste zum Herunterladen.

Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel und Kammerjustitiar Thomas Schmidt informierten die Teilnehmer/innen über die neue Berufsordnung und deren spezifische Aspekte für Angestellte. Die Schwerpunkte des Vortrags lagen auf den allgemeinen Berufspflichten, der Dokumentation und Aufbewahrung, der Fortbildungspflicht sowie dem Verhältnis zwischen berufsrechtlichen Vorgaben und dem Weisungsrecht von Dienstvorgesetzten.

Im Rahmen der Vorstellung der Hauptaufgaben der Kommission für Psychotherapie in Institutionen der PTK Bayern ging Dipl.-Psych. Robert Mayer zunächst auf die Problematik der Eingruppierung ein. Ver.di wünsche die Eingruppierungsmerkmale für Fachärzt/innen. Das lehne die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) jedoch ohne inhaltliche Begründung ab. Die Kommission beschäftige sich des Weiteren u. a. mit Themen wie Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen, Delegation von psychotherapeutischen Leistungen sowie Berufsordnung und arbeite an Gesetzesvorhaben mit (Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz, Maßregelvollzugsgesetz). Darüber hinaus erarbeite die Kommission gegenwärtig eine Stellenbeschreibung für Psychologische Psychotherapeut/innen, die als Grundlage für Stellenausschreibungen dienen können. Die Stellenbeschreibung finden Sie ebenfalls in der unteren Liste zum Herunterladen.
 

Dipl.-Psych. Robert Mayer, Leiter der Kommission für Psychotherapie in Institutionen der PTK Bayern. Foto: Johannes Schuster

Dr. Christian Hartl ergänzte die Tarif-und Eingruppierungsfragen am Beispiel des bayerischen Maßregelvollzugsgesetzes. Er stellte den Erfolg der Kammer heraus, dass im Gesetz verankert wurde, künftig die Leitung der Maßregelvollzugseinrichtung auch Psychologischen Psychotherapeut/innen übertragen zu können. Das habe die Kammer mithilfe intensiver Lobbyarbeit, der Kontaktpflege und einer inhaltlich und juristisch fundierten Stellungnahme in enger Zusammenarbeit mit der Kommission erreicht. Lesen Sie hierzu auch unsere Homepagemeldung „4. Treffen der Psychologischen Psychotherapeut/innen und Psycholog/innen im Maßregelvollzug“ vom 28.10.2015.

Dr. Heiner Vogel ergänzte den Bericht der Kommission mit Informationen über die Angestelltenbefragung der BPtK und der Landeskammern, deren Ergebnisse erstmals im Frühjahr 2014 vorgestellt wurden. Daten und Fakten zur Angestelltenbefragung finden Sie im betreffenden Fachvortrag in der unteren Liste.
 

Dr. Christian Hartl, Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg, ist Mitglied der Kommission für Psychotherapie in Institutionen der PTK Bayern. Foto: Johannes Schuster

Am Nachmittag wurden die Themen in vier Workshops vertieft. Zu Beginn der gemeinsamen Abschlussrunde stellte jede Arbeitsgruppe ihre erörterten Ergebnisse vor. Für die Kommission für Psychotherapie in Institutionen bestärkte Robert Mayer die Teilnehmer/innen, sich im Rahmen einer engagierten Mitarbeit für die Kammer u. a. in den Angestelltenlisten aufstellen zu lassen. Er bat um rege Teilnahme an den Kammerwahlen im Frühjahr 2017, um ein repräsentatives Ergebnis für die angestellten Mitglieder zu erreichen. Darüber hinaus ermutigte er die Teilnehmer/innen, sich in den Kliniken und Betrieben z. B. im Betriebs- oder Personalrat zu engagieren.

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