Psychotherapeutenkammer Bayern

Bericht zur 49. Delegiertenversammlung der PTK Bayern

Meldung vom 29.05.2026

 

Geschlossen gegen die Kürzungen in der psychotherapeutischen Versorgung

 

Am 20. Mai 2026 fand die 49. Delegiertenversammlung der PTK Bayern statt. Ein besonderer Fokus lag auf den Honorarkürzungen durch den Erweiterten Bewertungsausschuss und den aktuellen Entwürfen zu einer Spargesetzgebung mit gravierenden Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung. Die Delegierten stellten sich geschlossen gegen die bereits beschlossenen und die geplanten Kürzungen und hinter die Aktivitäten des Vorstandes. Darüber hinaus beschloss die Versammlung Änderungen der Berufs-, der Weiterbildungs- und der Fortbildungsordnung sowie der Melde- und Wahlordnung.
Die Versammlung wurde vom Versammlungsleiter Klemens Funk und seiner Stellvertreterin Agnes Mehl geleitet. Klemens Funk würdigte zu Beginn das kürzlich verstorbene ehemalige Mitglied der Delegiertenversammlung Wilhelm Gerl, dessen die Delegierten mit einer Schweigeminute gedachten. 

 

Bericht des Vorstands

 

Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop (Foto: PTK Bayern)

Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop informierte über die aktuellen Entwicklungen der Gesundheitspolitik und erläuterte insbesondere die Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses vom 11. März 2026. Dabei wies er auf die unzutreffenden Bestandteile des zugrunde gelegten Bewertungsmodells hin. Ausführlich schilderte Melcop die intensiven berufspolitischen Aktivitäten des Vorstandes als Reaktion auf die Honorarkürzungen. Im Zusammenspiel mit den Aktivitäten der BPtK auf Bundesebene und weiteren Akteur*innen wie Berufsverbänden, KBV und Aktionsbündnis Psychotherapie formierte sich in den letzten Wochen der deutlich sichtbare, bundesweite Protest der Psychotherapeutenschaft. 

Darüber hinaus skizzierte Nikolaus Melcop das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und erläuterte die in der Konsequenz zu erwartenden drastischen Auswirkungen auf die ambulante psychotherapeutische Versorgung. Nicht zuletzt würde das geplante Gesetz die Schaffung ausreichender und angemessen finanzierter Weiterbildungsplätze für die Psychotherapeut*innen zusätzlich erschweren. Der Vorstand hat sich deshalb bereits auf Landes- und Bundesebene für eine Rücknahme des Gesetzesentwurfs eingesetzt.

 

Birgit Gorgas

 

Vorstandsmitglied Birgit Gorgas berichtete über das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG). Im Zuge der gesellschaftlichen Debatte anlässlich von Gewalttaten durch psychisch erkrankte Personen sollen die im BayPsychKHG bereits verankerten Instrumente besser ausgeschöpft werden. Prävention durch Angebote wie Krisendienste und längerfristige sozialpsychiatrische Begleitung gilt es auszubauen. Gorgas wandte sich darüber hinaus deutlich gegen die geplante Kürzung der Eingliederungshilfe, die Menschen mit einer Behinderung oder von Behinderung bedrohte Menschen eine individuelle Lebensführung ermöglicht bzw. erleichtert.

Schließlich erläuterte Birgit Gorgas die Möglichkeiten zur psychotherapeutischen Behandlung vulnerabler Gruppen, die durch die am 20. Februar 2025 erfolgte Änderung der Ärzte-Zulassungsverordnung eingeführt wurden. Voraussetzung hierfür ist die Eintragung in das Arztregister für Psychologische Psychotherapeut*innen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen oder Fachpsychotherapeut*innen sowie der Nachweis eines Kooperationsvertrages mit einer Einrichtung, die entsprechende Personen begleitet. Die Kammer unterstützt dies u.a. durch eine Online-Informationsveranstaltung am 09.07.2026 und mithilfe des Anzeigenportals auf der Homepage, auf der Kooperationen angeboten werden können. Die BPtK bietet hierzu eine Online-Fortbildungsreihe an.

 

Prof. Dr. Monika Sommer

 

Vorstandsmitglied Prof. Dr. Monika Sommer erläuterte die Auswirkungen des sogenannten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auf den stationären Bereich und skizzierte die drohende Verschlechterung in der Versorgung in diesem Sektor. Besonders kritisch ist dabei die ungenügende Finanzierung von Personal und das Fehlen zusätzlicher Weiterbildungsstellen in der Übergangsphase zwischen der Ausbildung und der Weiterbildung zu sehen. Darüber hinaus informierte Monika Sommer über die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe in verschiedenen Veranstaltungen und stellte den vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) organisierten Runden Tisch Autismus vor, der u.a. eine Expertenkommission zur Entwicklung von Mindeststandards für Betroffene eingesetzt hat.

Schließlich warb Monika Sommer für die Teilnahme am Bayerischen Landespsychotherapeut*innentag im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg am 
17. Oktober 2026 zum Thema „Angst und Angststörungen in Zeiten globaler Bedrohungen“.

In Wortbeiträgen tauschten sich die Delegierten zum Bericht des Vorstandes aus und dankten dem Vorstand für seinen Einsatz.

 

Vizepräsidentin Nicole Nagel

 

Vizepräsidentin Nicole Nagel stellte ein gerade fertiggestelltes Video zum Thema „Kinder und Jugendliche in der Klimakrise. Wie die psychische Gesundheit junger Menschen gestärkt werden kann.“ vor, das die Delegiertenversammlung mit großem Applaus bedachte. Anhand des Videos soll die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gelenkt werden.

 

Dr. Anke Pielsticker


Weiterbildung der Psychotherapeut*innen

Vorstandsmitglied Dr. Anke Pielsticker gab den Delegierten einen Überblick zum Stand der Umsetzung der Weiterbildung in Bayern. Dabei berichtete sie über die Veranstaltungen zur Weiterbildung und legte konkrete Zahlen zur Antragslage vor. Mittels Karten von Bayern veranschaulichte Anke Pielsticker den Stand der Umsetzung und lieferte gleichzeitig einen Überblick über die in Bayern zugelassenen Weiterbildungsstätten. Abschließend berichtete Pielsticker von den Aktivitäten der AG Weiterbildung bestehend aus Mitgliedern des Vorstands und Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle. 
Hieran schloss Prof. Dr. Monika Sommer den Überblick über den Stand der Umsetzung der Weiterbildung im stationären Bereich an.


Änderung von Satzungen und Ordnungen der PTK Bayern

Benedikt Rinderle aus der Rechtsabteilung erläuterte Änderungen der Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen. Dies betraf insbesondere die Anpassung der Voraussetzung für die Erteilung der Weiterbildungsbefugnis im Rahmen der Bereichsweiterbildung sowie die Einführung einer Meldepflicht für die Etablierung eines Registers der Weiterbildungsteilnehmenden. Zudem wurde mit der Einführung der neuen Bereichsweiterbildung „Klinische Hypnose / Hypnotherapie“ in die Weiterbildungsordnung für Psychotherapeut*innen sowie die Weiterbildungsordnung für Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen der entsprechende Beschluss des 48. Deutschen Psychotherapeutentags auch in Bayern umgesetzt.

Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel


Finanzen

Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel stellte den Jahresabschluss 2025 vor. Nach ergänzenden Ausführungen von Rudi Bittner als Vorsitzenden des Finanzausschusses wurde der Jahresabschluss 2025 von der Delegiertenversammlung einstimmig angenommen sowie Vorstand und Geschäftsführung entlastet.


Weitere Änderungen von Satzungen und Ordnungen der PTK Bayern

Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel erläuterte anschließend die vom Deutschen Psychotherapeutentag zuletzt beschlossenen Änderungen in der Berufsordnung und bat die Delegierten um Übernahme in die Berufsordnung der PTK Bayern. Anlass war insbesondere eine Neuregelung des Einsatzes von Kommunikationsmedien in der Psychotherapie, die sowohl eine Flexibilisierung als auch eine Erhaltung der fachlichen Standards der Psychotherapie im unmittelbaren Patient*innenkontakt vorsehen. Psychotherapeutische Behandlungen sollen „aus einer Hand“ erfolgen.

Anschließend stellte Waldvogel ebenfalls vom Deutschen Psychotherapeutentag beschlossene Änderungen zur Fortbildungsordnung vor, die die Anforderungskriterien an Referierende sowie an Supervisor*innen und SE-Leiter*innen konkretisieren. Die vorgeschlagenen Änderungen zur Berufs- und Fortbildungsordnung wurden mit großer Mehrheit beschlossen.

Zudem wurden Änderungen der Meldeordnung vorgenommen, um insbesondere den Ablauf der Anmeldung bei der Kammer weitmöglichst zu digitalisieren. Hierfür wurde die Option der Anmeldung in Papierform aufgehoben, sodass nur noch die Möglichkeit der Online-Anmeldung besteht. Die Einreichung der amtlich beglaubigten Kopie der Approbationsurkunde ist fortan nur noch auf Verlangen der Kammer notwendig.

Zuletzt wurde auch die Wahlordnung geändert, um den Ablauf der bevorstehenden Kammerwahl 2027 zu optimieren. Hierzu wurde u.a. der Personenkreis, der sich für die Onlinewahl entscheiden kann, konkretisiert, die der Kammer gegenüber angegebene Postanschrift als Inhalt der Liste der Wahlberechtigten festgelegt, die Möglichkeit der virtuellen Einsichtnahme in die Liste der Wahlberechtigten vereinfacht und die Informationsmöglichkeiten der Kammer über das zulässige Stimmabgabeverfahren erweitert.


Nominierung der Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Verwaltungsrats der BIngPPV für die neue Amtsperiode 2027/2030

Die Delegiertenversammlung stimmte über die Nominierung der Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Verwaltungsrats der Bayerische Ingenieurversorgung-Bau mit Psychotherapeutenversorgung (BIngPPV) für die neue Amtsperiode 2027/2030 ab.


Weitere Berichte

Abschließend informierten die Ausschüsse und Kommissionen über ihre Sitzungen und die Arbeit seit der letzten Delegiertenversammlung. Zudem berichteten die satzungsgemäßen Gäste der  Delegiertenversammlung über aktuelle Entwicklungen in ihren Bereichen: Die Vertreterin der Ausbildungsteilnehmer*innen Psychotherapie (PiA) Hannah Streit, der Vertreter der bayerischen Ausbildungsinstitute Dr. Ulrich Goldmann, die Vertreterin der bayerischen Universitäten, die einen Studiengang nach Abschnitt 2 des Psychotherapeutengesetzes in Bayern anbieten, Dr. Theresa Wechsler, sowie Lilli Herbelßheimer als Vertreterin der Studierenden der Studiengänge, die gemäß der Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Bayern akkreditiert sind. Weiterhin berichteten Melina Mangstl und Christoph Zadow für die sich in Weiterbildung befindlichen Psychotherapeut*innen über deren gegenwärtige Situation. 

VOILA_REP_ID=C12576B1:002BE964