Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Bericht zur 15. Delegiertenversammlung am 22.10.2009: Für die Reform der Ausbildung

27. Oktober 2009 - Die zweite Delegiertenversammlung im Jahr 2009 war geprägt von den nach der Bundestagswahl zu erwartenden Veränderungen in der Gesundheitspolitik. Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop betonte im Vorstandsbericht die Notwendigkeit der Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung und der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes. Daher hat die PTK Bayern im Vorfeld der Bundestagswahl eine Meldung zur Unterversorgung im Bereich der Psychotherapie veröffentlicht. Anfang Oktober wurden die bayerischen Vertreter der Koalitionsgespräche gebeten, eine Novellierung des Psychotherapeutengesetzes im Regierungsprogramm vorzusehen, wozu auch das Bayerische Gesundheitsministerium seine Unterstützung signalisiert hat. In Bezug auf die weiteren zu erwartenden Veränderungen im Gesundheitswesen forderte er, dass Psychotherapie bei allen Weichenstellungen im ambulanten und stationären Bereich angemessen berücksichtigt wird.

Die Ausgestaltung der Reform der Ausbildung zur/zum Psychologischen Psychotherapeuten/in (PP) und zur/zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/in (KJP) bildete dann einen weiteren Schwerpunkt des Vorstandsberichtes. Dr. Nikolaus Melcop stellte hierzu drei Optionen vor. Die erste Option schreibt den Status quo mit qualitativ unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung fort. Dies impliziert u. a. eine Verschlechterung des Versorgungsniveaus und des Gesundheitsschutzes für Kinder und Jugendliche. Die zweite und dritte Option legen den Zugang zur Ausbildung nach einem Masterabschluss mit klar definierten Inhalten an Psychologie, Klinischer Psychologie und Pädagogik fest. Die eigentliche Psychotherapieausbildung umfasst dabei einen allgemeinen Teil für alle Ausbildungsteilnehmer (common trunk) und jeweils eine Spezialisierung für die Behandlung von Erwachsenen oder Kindern und Jugendlichen. In der zweiten Option ist die Approbation dann für die Erwachsenenpsychotherapeuten (EP) oder für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) getrennt vorgesehen. In der dritten Option ist im Unterschied dazu ein gemeinsamer Approbationsberuf „Psychotherapeut“ vorgesehen. Während der Ausbildung kann der „Schwerpunkt Erwachsene“ oder „Schwerpunkt Kinder und Jugendliche“ erworben werden. Der Präsident sprach sich eindeutig für diese dritte Option aus, da nur diese eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung unter Berücksichtigung aller Aspekte beinhalte.
In der lebhaften Diskussion sprach sich keiner der Delegierten gegen diese dritte Option aus. Es wurden jedoch unterschiedliche Einschätzungen deutlich. So wurden Bedenken geäußert, die Ausbildung könne überfrachtet werden, andererseits auch Befürchtungen, dass in der Ausbildung aktuelle Erkenntnisse der Forschung zu kurz kommen könnten. Insgesamt wurde deutlich, dass hier noch Einiges an Klärungsbedarf besteht. Die Diskussion soll auch bei den kommenden Deutschen Psychotherapeutentagen und in der nächsten Kammer-DV im April fortgesetzt werden.
 
Kammerpräsident Melcop wies in diesem Zusammenhang auch auf die schriftliche Aussage des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit (StMUG) von Anfang Oktober hin, nach der als einheitliches Niveau der Zugangsvoraussetzungen nach § 5 Abs. 2 PsychThG in Bayern der Masterabschluss gefordert wird. Lesen Sie hierzu auch unsere Homepagemeldung vom 19. Oktober.
 
Aktuelle Berichte zur Gesundheitsversorgung (u. a. Angebot von Therapieplätzen nach Amoklauf in Ansbach, Runder Tisch „Kinder und Jugendliche“, Netzwerk „Kinder krebskranker Eltern“, Suchtforum in München und Nürnberg), zur internen Vernetzungsarbeit am Beispiel des Angestelltentages, zum Gespräch mit dem Verband der  Nervenärzte und Psychiater sowie zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und anderen Kammerthemen rundeten den Vorstandsbericht von Dr. Melcop ab. Der Vorstand dankte Dr. Andreas Rose für den Einsatz und die Koordinationsleistung mit den Vertretern der anderen Landeskammern bei der Erstellung der gemeinsamen Musterfortbildungsrichtlinie zur gutachterlichen Tätigkeit.
 

Haushaltsplan 2010 einstimmig angenommen

Vizepräsident Peter Lehndorfer stellte ausführlich den Haushaltsplan für das Jahr 2010 vor. Nach der Stellungnahme des Finanzausschusses, der Behandlung der TOPs Gebührensatzung und Geschäftsstellenräume (s. u.) und Diskussion wurde der Haushaltsplan durch die Delegiertenversammlung einstimmig angenommen.
 

Delegierten beschließen Änderung der Gebührensatzung der PTK Bayern vom 6.5.2004 und der Beitragsordnung der PTK Bayern vom 18.9.2003 (zuletzt geändert am 23.10.2007)

Die Ergänzung der Gebührensatzung ist notwendig, um die Kosten für den Heilberufeausweis umlegen zu können. Da eine Gebührensatzung möglichst vollständig sein sollte, waren auch alle weiteren Möglichkeiten von Urkundenausstellungen und gebührenfreier Bearbeitung zu regeln. Im Sinne der Vollständigkeit wurden auch bereits existierende Regelungen, z. B. die Akkreditierungsgebühren, jetzt in die Gebührensatzung integriert und ergänzt um Gebühren für Veranstalter, die nicht akkreditiert sind. Die Änderung des § 5 der Beitragsordnung (BeiO) folgt der neuen Gesetzeslage nach Abschaffung des Widerspruchsverfahrens für diesen Bereich durch die Bayerische Staatsregierung. Die Änderungen von Gebührensatzung und Beitragsordnung stehen unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Aufsichtsministerium.
 

Geschäftsstellenräume: Delegierte bevollmächtigen den Vorstand, das vorgestellte oder ein ähnliches Objekt zu den dargestellten Konditionen zu erwerben 

Alexander Hillers, Geschäftsführer der PTK Bayern, stellte den Delegierten die Entscheidungsgrundlage für den Erwerb neuer Geschäftsstellenräume vor. Vor dem Hintergrund der konservativen, wertsichernden und risikoarmen Anlagestrategie der Kammer und der aktuellen Bedingungen sichert ein Immobilienerwerb die zukünftigen Werte weitgehend gegen äußere Einflüsse, betonte Hillers. Eine Miete belässt hingegen das volle Inflations- und Mietsteigerungsrisiko bei der Kammer. An einem konkreten Objekt in München-Laim wurde dargestellt, dass der Erwerb sowohl finanziell als auch von den Nutzungsanforderungen ggf. die bessere Variante darstellt. Die Delegierten stimmten einstimmig (bei 2 Enthaltungen) für den Vorstandsantrag, so dass der Vorstand bei Einhaltung der finanziellen und räumlichen Anforderungen das vorgestellte oder ein vergleichbares Objekt als Sitz der Geschäftsstelle der PTK Bayern erwerben kann.
 
Die Versammlungsleiter Ellen Bruckmayer (rechts) und Klemens Funk (3. v. l.) mit Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel (links) und Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop. Die Versammlungsleiter Ellen Bruckmayer (rechts) und Klemens Funk (3. v. l.) mit Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel (links) und Kammerpräsident Dr. Nikolaus Melcop.

Leitbild der Freien Berufe

Ausgehend von den Leitsätzen der Freien Berufe, die in diesem Jahr vom Verband Freier Berufe veröffentlicht wurden, informierte Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel über die Bedeutung der freien Berufe für das Gemeinwohl und die ethische Ausrichtung unserer Gesellschaft. Wichtig sei, so betonte Waldvogel, dass die Freiberufler alles tun, Vertrauen zu begründen und ihren guten Ruf zu sichern. Dazu dienen hohe Qualifikationsanforderungen und Zulassungshürden sowie eine Berufsordnung und Berufsaufsicht. Gerade auch bei Psychotherapeut/inn/en sei ein Berufsethos, eine von den Berufsangehörigen verinnerlichte ethische Haltung, die unverzichtbare Grundlage der beruflichen Tätigkeit.

Sachstandsbericht „Niederschwellige Beratung für Patient/inn/en“

Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel stellte drei mögliche Konzepte zur „niederschwelligen Beratung“ für Patient/inn/en mit problematischen oder grenzüberschreitenden Erfahrungen in Psychotherapien vor: Unabhängige Patientenberatung Deutschland (gemeinnützige GmbH), Modell nach der Ombudsstelle PTK Berlin sowie „Second Opinion“ – Beratung für Probleme während Psychotherapien (erfahrene Psychotherapeuten fungieren als Vermittler und Berater). Die Frage, ob die „niederschwellige Beratung“ ggf. einer bestehenden oder von der PTK Bayern neu zu gründenden Gesellschaft übertragen werden soll, bedarf weiterer Abklärungen, Planungen und Gespräche. Die Delegierten diskutierten über die vorgestellten Konzepte. Eine Entscheidung soll eventuell in der nächsten Versammlung im April 2010 erfolgen.
 

Neues Mitglied in den Ausschuss Psychotherapie in Institutionen nachgewählt


Als Nachfolgerin von Corinna Weixler, die ihre Tätigkeit als Angestellte und damit auch die Mitarbeit im Ausschuss Psychotherapie in Institutionen aufgegeben hat, wurde Robert Mayer in den Ausschuss gewählt.
Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel: “Freie Berufe pflegen einen Berufsethos. Es umfasst moralische Standards für gute freiberufliche Berufsausübung.“ Vizepräsident Dr. Bruno Waldvogel: “Freie Berufe pflegen einen Berufsethos. Es umfasst moralische Standards für gute freiberufliche Berufsausübung.“

Weitere Schwerpunkte der Delegiertenversammlung 

Im Anschluss folgten die Berichte aus den Ausschüssen der Kammer für Aus-, Fort- und Weiterbildung (Albrecht Stadler), für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen (Silke von der Heyde) sowie Psychotherapie in Institutionen (Dr. Peter Dillig).
 
Am Ende der 15. Delegiertenversammlung informierten die satzungsgemäßen Vertreter der Ausbildungsinstitute (Susanne Färber) und der Psychotherapeut/inn/en in Ausbildung (Frank Mutert) über ihre Tätigkeit.
 
PTK Bayern

Blumen zum Dank für die geleistete Arbeit: Dr. Peter Dillig bedankte sich bei Corinna Weixler im Namen des Ausschusses für ihren Einsatz. Blumen zum Dank für die geleistete Arbeit: Dr. Peter Dillig bedankte sich bei Corinna Weixler im Namen des Ausschusses für ihren Einsatz.
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